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Lesebuch für das siebente Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
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Haben sie diese Stellen reingeleckt, so suchen sie in dienächsten Stöcke einzudringen, um dort auf ebenso leichteArt sammeln zu können. Bei schwächeren Völkern ge-lingt ihnen das nicht selten, und nachdem sie einmal be-gonnen haben, wollen sie das Geschäft des Raubensnicht mehr aufgeben. Man sei daher beim Füttern undErnten sehr vorsichtig und wische jeden verschüttetenTropfen Honig rein auf; fast immer hast du durch dieseoder jene Unvorsichtigkeit selber Anlass dazu geboten,wenn deine Bienen beraubt werden. Wacht ein besorgterSinn über den Bienen, so ist es mit leichter Mühe mög-lich, sie vor den verschiedensten Feinden zu schützen.

R. Göldi.

Weinbau.

127. Der Weinstock.

1. Wenn im Frühling durch Wald, Wiese und Feld schonfrisches Leben strömt, steht der Weinstock noch mit schlafendenAugen da. Aber diese Ruhe ist nur eine scheinbare; denn unterder trockenen, faserig zerrissenen Rinde arbeitet es schon mächtig.Schneiden wir in einen Zweig, so beginnt sofort aus ihmein wässeriger Saft anszufließcn. Man sagt, die Rebenweinen".In besondern Röhrchcn oder Gefäßen steigt die Flüssigkeit durchdie Reben in die obersten Zweige empor. Au einem frisch ab-geschnittenen Zweige kann man diese Röhren schon ganz gut mitbloßem Auge sehen. Die Faserwurzeln saugen das Wasser ausdem Erdreich auf. Sobald die Frühlingssonnc das gefrorene Erd-reich gelöst hat, beginnen sie ihre stille Tätigkeit.

2. Wenn wir im Mai einem Rebzweig eine Wunde bei-bringen, fließt kein Saft mehr aus dieser. Zwar setzen auchsetzt noch die Wurzeln ihre Arbeit fort; aber der Saft findetnun seine Verwendung. Mit der steigenden Wärme brachen näm-