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dem Mehlvorrat, den der weise Schöpfer zum voraus danebengelagert hat, das; er dem Kcimchen zur Nahrung diene in einerZeit, da es noch zu zart ist, sich diese aus der harten Erdeselbst zu holen. Aber bald zersprengt es seine Hülle, dehnt undstreckt sich und treibt mit seinem einen Ende nach oben, mit demandern nach unten. Dieses bildet bald ein zartes Würzclchen,das in der Erde nach Speise und Trank sucht. Jenes cntivickcltsich zu einem Samcnbläschcu, das nach 8 bis 14 Tagen als einrotbraunes Spitzchcu aus der Erde hervorblickt. Wie zart erscheintdiese braune Roggcusaat! Oft sind die Spitzchcn durch tausendund tausend zarte Spinnenfüdcn verbunden, die in den Strahlender herbstlichen Sonne glänzen. Aber das Wachstum schreitetfort; bald schiebt aus dem ersten, zu einem Röhrcheu zusammen-gctvickelteu Blättchcn ein zlveitcS seine Spitze heraus, immer höherwerdend. Zugleich verwandelt sich jetzt das Braun der Roggen-saat in Ärüu. Im Oktober ist der Acker wie mit dichtem Rasenbewachsen. Bald tritt der Winterfrvst ein; tiefer Schnee bedecktdie Erde. Aber das Roggenpfläuzchcn überdauert, wie zart esauch sei, Frost und Sturm, Der Schnee dient ihm als Decke,die es vor dein eisigen Nordwinde schützt,
3, Im Frühling beginnt die Rvggenpflanzc ein neues Leben;neue Blätter schieben sich durch die von den alten gebildetenRöhrcheu, Endlich guckt die Spitze der borstigen Ähre hervor,Sie hebt sich mehr und mehr, und ein glatter Halm tvird sichtbar.Ausgewachsen hat er eine Länge von 1,2 bis 2,4 in. Es erhebensich meist 2 bis 4 Halme auf dcinsclbcn Wurzelstvck. Sie sindhohl; aber die Höhlung ist an mehreren Stellen durch Knotenunterbrochen. Auf jedem dieser Knoten sitzt ein 18 bis 30 cmlanges Blatt. Dieses hat keinen Stiel, sondern umschließt mitseinem untern Teile den Halm, so das; er gleichsam in einerScheide steckt. Das Blatt ist schmal, von Nerven durchzogen, diegegen die Spitze zusammenlaufen, wie dies bei den einsamcn-lappigen Pflanzen der Fall ist. Die Ähre besteht aus 20 bis 30kleinen Abteilnugeu, den sogenannten Ährchcu, die am obernEnde des Halmes in zwei Reihen abwechselnd einander gegenüber-stehen, Diese Ährchen bestehen aber aus den Blüten des Roggens,
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