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Illustrirtes Lehrbuch der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Bezirksschulen, sowie für die obere Stufe der allgemeinen Volksschule / Ulrich Ernst
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Religionen geradezu als verwerflichen Götzendienst. Nun wieder-holten sich die Misshandlungen, nur in entgegengesetztem Sinne:die Heiden wurden verfolgt und ihre Tempel, Theater, Bild-säulen und Schriften zerstört.

3. Ursprünglich hatten die Christen keine Priester. Jeder,der sich vom heiligen Geiste getrieben fühlte, verkündete dasWort. Die Verwaltung der christlichen Gemeinden verlangteindessen besondere Vorsteher,Älteste oderPresbyter ge-nannt, an welche allmälig auch die Besorgung des Gottesdienstesüberging. So wurden diePresbyter Geistliche oder Priester.Diejenigen der einzelnen Bezirke standen unter Bischöfen, diesewieder unter Erzbischöfen, von denen der Patriarch zu Kon-stantinopel und der Papst in Rom das grösste Ansehengenossen.

Aufgaben:

1. Warum wurden die Christen verfolgt?

2. Warum siegte das Christentum dennoch?

28. Die Germanen.

1. Germanien. Das weite Gebiet zwischen Ostsee undDonau, Weichsel und Rhein bewohnten seit alten Zeiten dieGermanen. Das Land war zu einem grossen Teil von Wäldernund Sümpfen bedeckt, die Luft daher feuchter und das Klimanebliger und kühler als heute. In den Wäldern hausten Luchsund Bär, Wolf und Auerochs.

2. Die Germanen waren ein Volk von hohem Wuchs, ab-gehärtet und mutig, zu Streit und Streifzügen jederzeit aufge-legt. Spiel und Trunk war ihr Vergnügen, Jagd und Kriegihre Lust. Der Ackerbau lieferte etwas Hafer und Gerste, dieViehzucht Milch, Butter und Fleisch. Ihre Lieblingsspeise wardas Wildpret, ihr Lieblingsgetränk das Bier. Zur Bekleidunggenügten Tierhäute oder rohe Leinwand, als Wohnung einfacheHolzhütten, die nicht in Dörfern beisammen, sondern vereinzeltaus einander lagen. Die Germanen bildeten unter sich grössereGenossenschaften, sogenannte Stämme, mit selbst erwähltenHäuptlingen, die ihnen im Frieden als Richter, im Kriege alsAnführer vorstanden. Die Genossen eines Stammes waren allefrei und unter sich gleich berechtigt. In offenen Versammlungenentschieden sie über Krieg und Frieden, bestimmten sie Gesetze,hielten Gericht und wählten den König oder Häuptling. Derfreie Mann hatte seinen eigenen Hof. Es gab aber auchHalbfreie oder Hörige, die Haus und Land nur in Erbpachtgegen eine jährliche Abgabe an die Grundherren besassen. Die