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Illustrirtes Lehrbuch der Welt- und Schweizergeschichte für Sekundar-, Real- und Bezirksschulen, sowie für die obere Stufe der allgemeinen Volksschule / Ulrich Ernst
Entstehung
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Einleitung.

1. Die Geschichte lehrt, was mit dem Menschengeschlechtseit den ältesten Zeiten Wichtiges geschehen ist. Der Menschlebte ursprünglich in einem rohen Zustand, nicht viel besserals das Tier, mit dem er sich um Nahrung und Wohnung stritt.Kaum hatte er eine Vorstellung von Mein und Dein, von Rechtund Unrecht, von Körper und Seele. Wie das Tier benutzteer, was die Natur ihm bot: Wurzeln und Früchte, Baumwipfelund Höhlen. Das war der Höhlenmensch.

2. Aber der Mensch macht sichtbare Fortschritte, das Tiernicht. Weil er im stände war zu beobachten und nachzudenken,erwachte in ihm der Trieb und die Fähigkeit, seine Lage zuverbessern. Er lernte das Feuer kennen, es erzeugen und inseine Dienste nehmen. Er kam dazu, seine körperlichen undgeistigen Kräfte zu einem nützlichen Zwecke anzuwenden: erbegann zu arbeiten. Aus Stein oder Holz lernte er einfacheWerkzeuge, Geräte und Waffen verfertigen. Mit ihrer Hilfeschuf er sich eine Kleidung und eine Hütte und erlegte diestarken und flüchtigen Tiere in Wald und Strom. So wurdeer Jäger und Fischer.

3. Der Mensch kann und will nicht allein leben. Früheschon gründete er eine Familie, die sich später zu einerFamiliengenossenschaft, dem Stamm, erweiterte. Der grössteund stärkste Mann wurde der Führer oder Häuptling. Die Zu-nahme der Bevölkerung nötigte den Menschen zugleich, die Tierezu zähmen, um sie besser zu benutzen. Als Nomaden zogendie Stammesgenossen mit ihren Herden von Weide zu Weide.

4. Aber erst als der Mensch anfing, auch die Pflanzen zupflegen und sich zu diesem Zwecke an einem Orte bleibendniederzulassen, tat er den ersten Schritt zur Gesittung, zurKultur. Als Ackerbauer erwarb er sich ein Eigentum undeine Heimat. Zur Sicherheit baute er seine Hütte etwa aufPfähle ins Wasser hinein.

5. Der Mensch vervollkommnete seine Tätigkeit, indemer sie auf einen bestimmten Gegenstand beschränkte. So kamer zu einer Teilung derArbeit nach verschiedenen Berufs-arten. Neben den leiblichen Bedürfnissen erwachte auch dasBedürfnis des Geistes, die ihn umgebende Welt zu erkennen,sich selbst und das Unendliche zu begreifen, die Wirklichkeitnach seiner Phantasie zu verschönern: es entstanden die An-