B. Das Mittelalter.
476—1492 n. Chr.
27. Das Christentum.
1. Unter der Regierung des Kaisers Augustus war JesusChristus geboren und unter Kaiser Tiberius in Jerusalem ge-kreuzigt worden. Sein Leben, Leiden und Sterben wie seine er-habenen Lehren der Nächstenliebe und Gotteskindschaft machtenauf seine Jünger einen unauslöschlichen Eindruck. Von Jerusalemaus breitete sich die christliche Lehre langsam, aber stetigaus. So wenig die Römer die Person Jesu beachteten, so geringdachten sie von den Anhängern der neuen Lehre, den Christen,die sie einfach als eine jüdische Sekte auffassten. Die Römerwaren in religiöser Beziehung duldsam, wenn die Untertanennur ihre bürgerlichen Pflichten erfüllten. Anders gestaltete sichdas Verhältnis, als die Christen immer zahlreicher wurden, denheidnischen Gottesdienst verachteten und sich weigerten, dieBildnisse der Kaiser zu verehren, oder die Waffen zu tragen.Nun erschienen sie als staatsgefährlich, und es begannen dieVerfolgungen, nicht blos durch Tyrannen wie Nero undDomitian, sondern noch mehr durch sonst gute Kaiser, wieTrajan, Hadrian, Mark Aurel und Diokletian. Tausende vonfrommen Märtyrern gingen für ihren Glauben freudig inden Tod.
2. Trotz alledem gewann das Christentum immer neueBekenner, bis es sich die heidnische Welt unterworfen hatte.Denn die neue Religion, welche die Gläubigen über die Un-vollkommenheit und Ungerechtigkeit der Welt erhebt und ihnendie ewige Seligkeit verheisst, war eine „frohe Botschaft“ geradefür die Armen und Unterdrückten, und diese bilden in der Weltdie Mehrzahl. Auch konnte das Beispiel der Märtyrer auf dieRömer nicht ohne Wirkung sein. Um die zahlreichen Christenfür sich zu gewinnen, erklärte der Kaiser Konstantin ihrenGlauben als gleichberechtigt mit der römischen Staatsreligion,und Theodosius verbot durch ein Edikt die heidnischen