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Weltgeschichte in Poesie : Sammlung historischer Gedichte / hrsg. von den Lehrern R. Meyer und H. Reichel
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8. Sie wissen, wie bald in Flammen hinunter sinkt die Stadt;drum auf zu neuem Sturme, wer Hand' und Füße hat!"

6. Da flogen die Feuerpfeile, da rannten die Widder an,

und von den Mauern stürzten die Trümmer nicht dann und wann.

7. Nein, immer vom Hunnensturme wankte die ganze Stadt,als wie effr Schiff im Meere, das keine Segel hat.

8. Aquileja, Aguileja wurde nun so berannt,

daß man nichts als die Stätte und nicht die Stätte fand.

9. Doch brach erst eine Schar noch des Volkes da hervor,die sich im Meer zur Wohnung eine Insel auserkor.

10. Die Hunnen konnten nicht segeln, da blüht' empor die Stadt,die jetzt dem Namen Venedig und Ruhm und Ehren hat.

Kopisch.

40. Attilas Tod.

Von dem Fuße der Karpathen schallt ein wildes Klaggestöhne;durch Europa dröhnt und rauscht es, wie Triumph und Siegestöne;mit Entzücken hört die Weltstadt auf die Kunde ihrer Boten:

Attila, die Geißel Gottes, stieg hinab ins Reich der Toten!"

Vor dem Hundert' bebten, wenn er mit dem Racheschwerte,das der Kriegsgott. einst getragen, fluchend stieß in Gottes Erde;vor dem Rom, Bpzanz und selbst die deutschen Riesenvölker zittern,der geschaffen war, wie keiner, Menschenwerke zu zersplittern.

An dem Fuße der Karpathen stehn der Hunnen braune Horden,heulen wilde Klaggesänge, furchtbar grausig von Accorden.

In dem reichsten Schmuck der Waffen und beim Schmettern der Fanfarenziehn und schwenken um den seidnen Baldachin die treuen Scharen,schneiden ab die langen Haare, schneiden wund Gesicht und Leiber,bringen Kriegerblut zum Opfer bei dem Wehgeschrei der Weiber,legen die entseelte Hülle in drei Särge, wohl verschlossen,die aus Gold und Silber und aus Eisen kunstvoll sie gegossen.

Senken sie bei nächt'gem Dunkel tief hinab ins Herz der Erde,werfen Schmuck und Waffen drüber; und daß nie verraten werde,wo der Weltenstürmer schlumm're, metzeln sie beim Klang der Liederdie Gefangnen, die des großen Toten Grab gegraben, nieder.

Und auf frischer Grabesstätte füllen sie mit Wein die Becher,und es schmausen, tanzen, springen wild umher die trunknen Zecher.

HolthauS.

41. Der Van-aleri Auszug.

Wie die Türme Neukarthagos hell im Morgenglanze strahlen!

In dem Hafen stolz gerüstet liegt die Flotte der Wandalen,hoffend, harrend; doch kein Lüftchen weckt der Segel schlaffe Falten,und wie niemals steht man heute den Gebieter zögernd halten.