V. Alexander der Große. 336—323.
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Heer von 600,000 Mann gesammelt. Noch nie hatte er eine so statt-liche Truppenmacht beisammen gesehen. Der Anblick derselben machte ihnso hochmütig, daß er es verschmähte, die fast uneinnehmbaren Gebirgs-pässe seines Landes zu besetzen; er brannte vor Begierde, den Gegner inoffener Feldschlacht zu zermalmen. — d) Darin» erreichte Alexander beiJssus, einer Stadt am Mittelmeer. Hier konnte er aber seine ungeheureMacht nicht entfalten, da das Gebirge so nahe an das Meer herantritt,daß der ebene Küstenstrich auf weniger als eine halbe Stunde eingeengtwird. Darms hatte sich mit der königlichen Faniilie, die Augenzeuge seinessichern Sieges sein sollte, hinter dem Centrum des Heeres aufgestellt.Kaum hatte Alexander angegriffen, so wich der linke Flügel der Perser-zurück; das Centrum aber und der rechte Flügel, wo griechische Sold-truppen in vorderster Linie standen, leisteten kräftigen Widerstand. Wiesich Darms auf der linken Seite bedroht sah, ließ er sogleich den Wagenwenden und ergriff die Flucht. Da ihm dieser nicht schnell genug davon-eilte, so bestieg er, Schild, Bogen und Königsmantel zurücklassend, einPferd und jagte unaufhaltsam vorwärts. Seine Feigheit gab dem Heeredas Zeichen zur allgemeinen Flucht. Alexander setzte ihm nach. DiePerser verloren über 100,000, die Griechen aber bloß 450 Mann. —v) Die Niederlage der Perser war so entsetzlich, daß Darms kaum 4000Flüchtlinge zusammenbrachte, um mit ihnen über den Euphrat zu fliehen.Die Beute der Macedonier war unermeßlich. Alexander behandelte dieMutter, Gemahlin und Kinder des Darms, die nicht schnell genug hattenfliehen können und darum gefangen worden waren, mit der größtenSchonung. Er tröstete sie, indem er sie versicherte, daß Darms noch lebe.
4. Alexanders Zug nactz Ägypten.— rr) Alexanderverfolgte einstweilen den Darms nicht weiter. Bevor er die persischenHauptstädte aufsuchte, wollte er sich durch Eroberung von Phönizienund Ägypten den Rücken sichern. Die phvnizischen Städte ergaben sich. Nureine, nämlich Tyrus, leistete ihm Widerstand. Auf einer Insel gelegen,mit kirchtnrmhohen Mauern umgeben und von einer trefflichen Flotte be-wehrt, schien sie allen Angriffen Trotz bieten zu können. Älexander ließeinen 60 Meter breiten Damm vom Lande nach der Jnselstadt aufführen.Allein die Tyrer, unterstützt von heftigen Meeresstürmen, zerstörten ihn,als er beinahe vollendet war. Alexander aber ließ einen breiter», festemDamm erstellen; mit 200 wohlbemannteu Schiffen aus den phönizischenStädten und von Cypern sperrte er die beiden Häfen der Stadt. Erschob bewegliche Belagerungstürme an die Mauern und riß auf derenSüdseite zwei Löcher hinein. Da konnte sich die Stadt nicht längerhalten; aber noch in den Straßen verteidigten sich die Einwohner aufstapferste. Die Stadt wurde geschleift. Ihre übrig gebliebenen Männer,2000 an der Zahl, wurden am Meeresufer aufgeknüpft, die Weiber undKinder aber in die Sklaverei verkauft. Alexander aber hatte durch diesesiebenmonatliche Belagerung mehr Mannschaft verloren, als bei Jssus. —