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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXXI. Ludwig XIV. 16431715.

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als es der Name Roms jemals gewesen war. <I> Sein Sohn nnd Nach-folger Richard besaß nicht den Geist, noch weniger die Willenskraftseines Vaters. Er hatte mehr Freude an Jagden und Pferden, als anernster Arbeit; darum mußte er auch bald seine Würde niederlegen. ImJahre 1660 wurde die Monarchie wieder hergestellt nnd Karl II. alsKönig anerkannt, nachdem er versprochen hatte, keine Rache zu nehmenund die Gewissensfreiheit nicht zu verletzen. Die englische Republik hatteso elf Jahre gedauert.

Allein Karl II. war ein schlechter Regent. Er hielt sein Wort nicht, son-dern nahm blutige Rache. Die Königsmördcr wurden zum Tode verurteilt. Crom-ivclls Leiche wurde ausgegraben nnd an den Galgen gehängt. Doch trat das Parla-ment dem König kräftig entgegen. Es schrankte seine Macht immer mehr ein. Ermußte die HabeaSkorpu satte, einen großen, neuen Freiheitsbrief, gutheißen; nachihr mußte jeder verhaftete Britte innerhalb 24 Stunden verhört und freigegebenwerden, wenn er Bürgschaft leistete. Auf Karl II. folgte 168k sein katholischer BruderJakob II., der aber schon nach drei Jahren verjagt wurde. b> Die Stuartoblieben für immer von England verbannt. Sie hatten diesem Lande von 16031688vier schlechte Herrscher gegeben, die im Kampfe mit dem Parlamente zu Grunde ge-gangen sind. Wie die festländischen Fürsten Europas, so hatten auch sie nach unum-schränkter Macht (dem Absolutismus) gestrebt; jenen war es geglückt; diese aberwaren unterlegen. Unter jenen sammelte sich Zündstoff zu thronstürzcnden Revo-lutionen, England hingegen entwickelte sich nun ruhig nnd naturgemäß.

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liilhelieu 1624 1642 . a) Unter Ludwig XIII. leitete der KardinalRichelieu als allmächtiger Minister die Geschicke des Landes. Er verfolgte eindoppeltes Ziel; erstlich wollte er das Königtum unumschränkt und zweitens Frank-reich nach außen gebietend machen. Zur Erreichung dieser Ziele war ihm kein Mittel,nieder List noch Gewalt, zu gering oder zu schlecht. b) Die Hugenotten bildetendamals einen Staat im Staate, besaßen sie doch ein eigenes Heer nnd eigeneFestungen, wie Montanban nnd La Röchelte. Richelieu zerstörte ihre Festungen undvernichtete ihre Heere. Im übrigen ließ er ihnen Glaubensfreiheit. o» Dannwandte er sich gegen die selbstherrlichen Adeligen. Er unterwarf sie der Kroneund vernichtete ihre Selbstherrlichkeit. Widerspenstige kamen in den Kerker oder garaufs Schafott. Ja, Richelieu scheute sich nicht, den Bruder des Königs verhaften zulassen, nnd dessen Mutter, als sie ihn stürzen wollte, in die Verbannung zu schicken.Die Generalstände, d. i. die Vcrsammiung der Abgeordneten der höhern Stünde,wurden nicht mehr einberufen. ü) Nach außen war Richcliens Hauptbcstrebcn daraufgerichtet, die Macht der Habsburger zu schwächen. Darum griff er in den 30-jährigen Krieg ein, verlängerte ihn, stellte sich aber auf die Seite der Protestanten,während er sie im eigenen Reiche verfolgte. Es gelang ihm vollkommen, den schwe-discheil Einfluß jenseit des Rheines durch den französischen zu verdrängen und dieZerstückelung Deutschlands zu fördern. Er brach die Macht Spaniens in Italien.Auf diese Weise begründete Richelieu die Vorherrschaft Frankreichs unter den euro-päischen Staaten. Aber auch auf geistigem Gebiete wollte Richelieu Frank-reich zur Leuchte Europas erheben. Deswegen schuf er 1635 in Paris eine Aka-demie, deren Hauptaufgabe zunächst darin bestand, ein mustergültiges Wörterbuch