XU Der Krimkrieg. 18i)3- I^'>6.
Geld zu mäßigem Zinsfuß vorstreckte, sondern geradezu einen gewissenTeil der Ablösungssumme auch übernahm. Die Ablösnngskasse in Bayernz. B. forderte vom Pflichtigen bloß den 18 fachen inittlercn Jahresertrag,bezahlte aber den Berechtigten den 20-fachen; der bayrische Staat leisteteauf diese Weise 27 Millionen Mark. In Württemberg wurde nur der16-fache Betrag berechnet; in andern Ländern übernahm der Staat einenoch größere Quote. Meistenteils war mit der Ablösungskasse zugleichauch eine Amortisations- oder Schuldentilgungskasse verschmolzen. Soforderte die badische Zehntschuldentilgungskasse von, Pflichtige» livon welchen 4° o zur Verzinsung, h4°a für die Kosten und 1 V-° ozur Amortisation verwendet wurden. — kl Viele Feudallasten, wie Fron-dienste oder sonstige persönliche Dienstleistungen, wurden mancherorts ganzohne Entgelt abgeschafft. An andern Orten wurde ihr Ersah zu niedrigemFuße angeschlagen. In Österreich wurde die Fronarbeit zu gewöhn-licher Taglöhnerarbeit berechnet; denn es war allbekannt, daß der Fron-dienstpflichtige unter dem Scheine großen Fleißes möglichst wenig leistete.
XÖI. Der Lrimkrieg.
185 «>.
1. Mrlcrciierr.— n Mochte auch Mitteleuropa noch so sehr vonRevolutionen erschüttert werden, so blieb doch Rußland davon unberührt.Der Zar Nikolaus I. erschien den übrigen europäischen Fürsten alsRetter der Ordnung. Da er sich für den mächtigsten Mann Europashielt, da ihm die Türkei nur noch als kranker Mann vorkam, da Öster-reich, Deutschland und Frankreich durch die Revolutionen so sehr geschwächtschienen, daß sie mit sich selber genug zu thun hatten, glaubte er die Zeitgekommen, wo er seinen und seiner Ahnen Herzenswunsch, in Konstantinvpeldie christliche Fahne aufzupflanzen, erfüllen zu können hoffte. — k») Imtürkischen Reiche gab es damals etwa 18 Millionen griechische Katho-liken, die sich also zur gleichen Konfession bekannten wie die Russen.Nicht selten lagen sie mit den mohammedanischen Türken oder mit denunter französischem Schutze stehenden römischen Katholiken im Streit;mit letztem namentlich um den Besitz oder die Benutzung der heiligenStätten in Jerusalem und Bethlehem. Nikolaus I. forderte vom Sultannichts weniger als die Schutzherrschaft (Protektorat) über seine Glaubensgenossen in der Türkei. Damit wollte er sich ihm zum Mitregenten auf-drängen. Die russische Forderung überbrachte der Fürst Menschikow (spr.Menschikoff), der mit verletzendem Übermut auftrat. Wenn die Pforteauf ihrer Selbständigkeit noch etwas hielt, so konnte sie einer solchenForderung unmöglich nachgeben. Sie wies sie zurück.