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XII. Die Völkerwanderung. 375—568.
Schutz gesucht hatte. — d) Von der Balkauhalbiusel aus bedrohte Alarich,der heldenmütige König der Westgoten, wiederholt Italien. Im Jahre 410belagerte er Rom zum drittenmal, nahm die Stadt ein und überließ siedrei Tage lang den Soldaten zur Plünderung. Hierauf wollte er auchSizilien erobern und nach Afrika übersetzen. Allein bei Cosenza in Unter-italien erreichte ihn der Tod. Der Hinschied des unvergleichlichen, nochjugendlichen Helden erfüllte sein Volk mit unsäglicher Trauer. Das außer-gewöhnliche Leichenbegängnis legte davon Zeugnis ab. Man lenkte denFluß Busento in ein anderes, eben gegrabenes Bett und machte in demleer gewordenen ein tiefes Grab. In dieses senkten die Westgoten unterergreifenden Klagegesängen den teuren Leichnam in vollem Waffenschmuckauf seinem Schlachtroß hinab und deckten es zu. Dann ließen sie denBusento wieder in das alte Bett fließen und töteten die Männer, diebeim Begräbnis beteiligt gewesen waren, damit den schnöden Römern dasGrab nicht verraten würde. — <;) Hierauf hoben die Westgoten den ebensoschönen als tapfern Schwager Alarichs, nämlich Athauls oder Adolf,auf den Schild. Er führte sie nach Gallien und gründete zu beidenSeiten der Pyrenäen ein großes Reich mit der Hauptstadt Toulouse.
3. Die Dirnnen. — n) Die Hunnen waren ein rohes Volk,von wildem, fast tierischem Aussehen. Ihr kleiner, gedrungener Körperruhte auf säbelartig krummen Beinen und trug auf kurzem, fleischigemHals einen dicken, unförmlichen Kops mit schwarzem, struppigem Haar.Aus dem breiten, gelbbraunen Gesicht mit plattgedrückter Nase, hervor-stehenden Backenknochen und aufgeworfenen Lippen blitzten zwei schief-stehende, feurige Augen. Das Gesicht war zudem narbenvoll, da denKnaben bei der Geburt die Wangen zerschnitten wurden, um den Bart-wuchs zu verhindern. — d) Die Hunnen lebten von Wurzeln und rohemFleisch, das sie mürbe ritten. Sie kleideten sich in Hosen von Bocks-haut, Kittel von Mäusefellen, in große, unförmliche Schuhe und Pelz-mützen ; ihre Kleider trugen sie Tag und Nacht und behielten sie so langean, bis sie ihnen in faulen Fetzen vom Leibe hingen. Auf ihren Pferdenwaren sie wie angewachsen; sie aßen, tranken, ja schliefen auf denselben;die Häuser mieden sie wie Gräber. In Ochsenwagen führten sie Frauenund Kinder mit sich. Krieg war ihre liebste Beschäftigung; doch miedensie große Schlachten und suchten durch blitzschnelle Überfälle den Feindbeständig zu schädigen. Sie warfen den feindlichen Kriegern Schlingenüber den Kopf und schleppten sie mit sich fort. — e) Am mächtigstenwaren die Hunnen unter ihrem tapfern Könige Attila, der bei seinemVolke abgöttische Verehrung genoß. In seinem hölzernen Palaste lebte ereinfach, trank aus hölzernen Schalen und kleidete sich hirtenmäßig, wäh-rend seine Generale und Hofbeamten vor Pracht strotzten. Er nannte sichGodegisel, d. i. Gottesgeisel. Man sagte, daß Rom und Konstantinopelgezittert hätten, wenn er sein Schwert in den Boden gestoßen. Der ost-römische Kaiser zahlte ihm einen jährlichen Tribut von 1000 Gold. —