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XV. Heinrich I. 91!)—996.
XV. Heinrich I.
919—936.
Nicht einmal hundert Jahre vermochten sich die Nachfolger Karls des Großenauf dem deutschen Throne zu behaupten. Unter dem letzten Karolinger. Ludwigdem Kinde, löste sich das Reich in fünf selbständige Herzogtümer, nämlich inSachsen. Franken. Schwaben. Bayern und Lothringen auf. Jeder Herzog verwaltetesein Gebiet, führte Krieg und schloß Frieden ganz nach seinem Belieben, ohne sichim geringsten um das Wohl des gesamten Reiches zu bekümmern; die Krongüterriß er an sich. In gegenseitiger Fehde verwüsteten die Herzöge ihr Gebiet; zudembrachen von allen Seiten noch äußere Feinde ins Land, ohne daß ihnen gewehrtwurde. Das Elend war groß. Ein zeitgenössischer Geschichtschreiber ruft schmerzerfülltaus: „Wehe dem Lande, dessen Herrscher ein Kind ist!"
1. Kernvirhs Malst zrrnr König. — ri) Stach demTode Ludwigs im Jahre 911 wurde das Reich eigentlich ein Wahlreich.Einige von den weltlichen und geistlichen Großen traten zusammen undwählten den mannhaften Herzog von Franken unter dem NamenKonrad I. zum König. Umsonst suchte er das Ansehen der gesunkenenKönigsmacht wieder herzustellen. Nach wenigen Jahren hatte er seineKräfte in beständigen Fehden mit rebellischen Herzogen aufgezehrt. — lr) Alser sein Ende herankommen sah. sagte er zu seinem Bruder Eberhard:„Nimm den Königsmantel, das Schwert und die Krone unserer alten Könige,bring sie dem Sachsenherzog Heinrich und mache Frieden mit ihm."Eberhard bezwäng sein Gelüste nach dem Throne, folgte dem Rat feinesBruders und überbrachte die Reichskleinodien feinem großen Feinde. —o) Dieser soll bei seiner Burg im Harzgebirge gerade mit Finkenfangbeschäftigt gewesen sein, als Eberhard ankam. „Ich komme als Freund."hub letzterer an, „und bitte um deine Freundschaft. Mein Bruder Konradhat noch im Sterben dein gedacht und sendet dir die Krone des Reichs.Willst du sie tragen?" Heinrich reichte ihm die Hand und sprach: „Ichweiß wohl, wie schwer eine Krone drückt; aber wenn so biedere Fürstenmir sie anvertrauen, will ich sie in Gottes Namen tragen." Bald daraufwurde Heinrich von der Reichsversammlung, bei der fast ausschließlich nurfränkische und sächsische Große anivesend waren, zum König gewählt.
2. Einigung des Reieftes; Mcrggaren. —
a) Zuerst galt es, das zerfallene Reich wieder zu einigen. Nur Frankenund Sachsen anerkannten Heinrich als König. Schwaben und Bayerngingen ihre eigenen Wege; Lothringen hatte sich sogar an Frankreich an-geschlossen. Weniger durch Waffengewalt, als vielmehr durch weises Be-nehmen. durch Milde und freundliches Entgegenkommen gewann Heinrich I.die Widerspenstigen. Er suchte sie zu überzeugen, daß die Deutschen gegendie vielen äußern Feinde einig sein müssen. Schwaben und Bayern an-erkannten ihn bald als König, zuletzt auch Lothringen, dessen Herzogspäter die Tochter Heinrichs zur Gemahlin erhielt. So war der König