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XVI. Heinrich IV. 1056—1106.
irren. Endlich gelangte er an den Rhein und erließ das Aufgebot.Doch wer wollte sich für den tyrannischen Schlemmer schlagen? —I» Heinrich mußte mit den Sachsen Frieden schließen und ihnen sogargestatten, seine Burgen zu zerstören. Mit furchtbarer Wut fielen sie überdiese Raubnester her. Bei der königlichen Harzburg steckten sie sogar dieKirche in Brand und rissen die Gebeine eines Bruders und eines Söhn-leins Heinrichs aus den Gräbern und zerstreuten sie. — o) Diese Zer-störungswut stimmte einige Fürsten um, so daß sie dem Könige Truppenstellten. Es gelang ihm, die Sachsen zu schlagen. Schrecklich war dieRache, die er an ihnen ausübte. Nicht nur mußten sie die Zwingburgenwieder herstellen, sondern er nahm ihre friedebittenden Großen gefangenuud beraubte sie ihrer Güter. In ihrer Not wandten sich die Sachsenan den Papst und baten ihn um Hilfe.
3. Uapst Gvegov VII. — a) Damals saß Gregor VII.auf dem Stuhl Petri. Sein eigentlicher Name war Hildebrand. Erstammte aus dürftiger Familie. Als Mjmch hielt er sich einige Jahre inCluny, einem berühmten Kloster in Frankreich, auf. Mit ganzer Seelebekannte er sich zu dem sittenstrengen Orden der Cluniacenser. Er zeichnetesich durch einen tadellosen Wandel, hohe Geistesgaben und vor allemdurch starke Willenskraft aus. Der damalige Papst, der ihn bei einemBesuche in Cluny näher kennen lernte, zog ihn nach Rom. — d) Hierleitete Hildebrand während mehr als 20 Jahren nicht weniger alsfünf Päpste. Er faßte den Plan, das Papsttum und damit die Kirchenicht bloß vom Staate unabhängig zu machen, sondern es über alleMacht zu stellen. Sowie die Sonne den Mond, die Seele den Leibregiert, so sollte die Kirche über der Erde Macht stehen und Kaiser,Könige und Fürsten beherrschen. — o) Er suchte sein Ziel, die Welt-herrschaft der Kirche, hauptsächlich durch drei Mittel zu erreichen. Erstlichbekämpfte er die Simonie. Unter ihr verstand man die Erlangungeines geistlichen Amtes durch Geld. Sodann führte Gregor VII. dasGebot der Ehelosigkeit oder des Cölibats der Priester aufs strengstedurch. Drittens bekämpfte er die Laieninvestitur. Bis dahin hattemeist der Landesfürst, also ein Nichtgeistlicher (Laie), erledigte Bistümerund Abteien mit neuen Bischöfen und Äbten besetzt und diese dabei mitRing und Stab belehnt. Diese Belehnung nannte man Investitur.Gregor VII. drohte, jeden Geistlichen, der die Investitur aus Laien-händen annehme, seines Amtes zu entheben, und jeden Laien, der sieeinem Geistlichen verleihe, aus der Gemeinschaft der Kirche auszustoßen.
4. Keinvivii IV. in Mannen. 1077. — ri) DerPapst verlangte nun von Heinrich IV., daß er alle Würdenträger, diesich der Simonie schuldig gemacht hätten, entlasse, auch sich selbst künftigder Investitur enthalte. Als der König diesem Begehren nicht entsprechenwollte, forderte ihn der Papst innerhalb 60 Tagen zur Verantwortung