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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XVIII. Friedrich I. 11521190.

kehre; andere hatten für den Fall der Nichtwiederkehr geradezu all ihr Habund Gut der Kirche verschrieben. Diese gewann dadurch an Reichtum.

v) Der neu erwachte Glaubenseifer rief neue Mönchsorden insLeben. Eine eigentümliche Schöpfung der Kreuzzüge find die geistlichenRitterorden, nämlich die Orden der Johanniter, Tempelherren undDentfchritter. Sie hielten die drei Mönchsgelübde des Gehorsams, derArmut und der Ehelosigkeit; aber ihre Hauptaufgabe bestand darin, dieKranken zu pflegen und die Pilger gegen die Ungläubigen zu schützen.

cl) Die Kreuzzüge brachten auch das weltliche Ritterwesen zurBlüte, indem sie den Rittern reichlich Gelegenheit boten, sich in ernstenKämpfen zu üben. e) Der Bürgerstand, der sich allmählich inden um Burgen und Klöster entstandenen Städten gebildet hatte, zogden größten Gewinn aus den Kreuzzügen. Wie viele Ländereien, derenEigentümer durch die Kreuzzüge dahingerafft oder verarnit waren, gingenteils durch Kauf, teils durch Eroberung in den Besitz der Städte über!Viele Unfreie, die sich durch den heiligen Zug die Freiheit erworben,ließen sich nach ihrer Rückkehr in den Städten nieder. Für den Handelwurden neue Artikel, neue Wege und Absatzgebiete erschlossen. Die Ge-werbe des Orients, z. B. die Seidenzucht und die Bereitung feinerenLeders fanden bald auch im Abendland Eingang nnd Pflege. AuchKünste und Wissenschaften nahmen durch die Kreuzzüge einen neuenAufschwung.

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1152 1190 .

Fronend III. a.) Nach dem Aussterbcn des fränkischen Kaiserhauses gingdie Krone nach einer zwölfjährigen Zwischenrcgicrnng an das schwäbische oder hohen-staufische Fürstcngeschlecht über, dessen Stammburg auf dem Staufen mitten imSchwabcnlande lag. Unter Konrad III. >11881152) entbrannte der Kampfzwischen den beiden Parteien der Welsen nnd Waiblinger in voller Wut. Umdiese Zeit war nämlich Heinrich der Stolze, Enkel Weiss, Herzog von Sachsennnd Bayern, der mächtigste Fürst Deutschlands. Er erschien nicht znr Huldigung,obgleich er wiederholt dazu eingeladen wurde. Da erklärte ihn der »tönig in die Rcichs-acht und entsetzte ihn der beiden Herzogtümer. Dies führte zu langjährigen, blutigenBürgerkriegen zwischen den Welsen oder Gneisen und den Staufcrn, die nach einemwürttembergischcn Schlosse auch Waiblinger, in Italien Ghibellinen hießen. Da sichbald der Papst auf die Seite der Welsen stellte, spitzte sich der Kampf der beidenParteien zu einem Streit zwischen ihm und dem Kaiser oder zwischen der Kirchennd dem Staate zu. d) Heinrich der Stolze gewann Sachsen zurück; er warauch im Begriff, Bayern zurückzuerobern, als ihn der Tod an der Ausführung seinesVorhabens verhinderte. e) Im Jahre 1140 belagerte Konrad 111. das wölfischeStädtchen Wein oberg unweit Heilbronn. Er konnte es erst nach mehrmöchentlicherEinschließung zur Übergabe zwingen. Über den hartnäckigen Widerstand aufs höchsteerzürnt, beschloß er, wie uns eine Sage erzählt, die männliche Bevölkerung mit demSchwerte zu züchtigen, die Frauen hingegen mit so viel ihrer wertvollsten Habe, alssie zu tragen vermochten, abziehen zu lassen. Als sich nun die Thore öffneten, botsich dem Kaiser und seinem Heere ein sonderbarer Anblick dar: Die Weinsberger