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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XVIII Friedrich V 11521190.

Die Ehre Deutschlands steht auf dem Spiele."Dein Dienst, o Kaiser,"erwiderte der stolze Welse,hat mich vor der Zeit alt und mürbe ge-macht." Trotz der eindringlichsten Bitten Friedrichs blieb Heinrich kaltund verweigerte jegliche Hilfe. 6) Viele lombardische Städte, an ihrerSpitze das rachedürstende Mailand, traten Barbarossa mit großer Machtbei Legn ano entgegen. Er selbst kämpfte wie ein Löwe; als ein wnchtiger Lanzenstoß ihn zu Boden stürzte, verbreitete sich die Schreckens-tnnde:Der Kaiser ist tot!" Die Deutschen flohen. Ihre Niederlagewar vollständig. Die Kaiserin legte Witwentrauer an, weil sie ihrenGemahl tot glaubte. Allein vier Tage nach der Schlacht erschien er beiihr. Mit den Städten schloß Barbarossa einen sechsjährigen Waffen-stillstand; auch söhnte er sich in Venedig mit dem Papste aus. lt) Er-zürnt über die Untreue Heinrichs des Löwen, eilte der Kaiser nachDeutschland, um ihn zu züchtigen. Er lud ihn wiederholt vor den Reichs-tag; doch Heinrich erschien nicht. Da wurde die Reichsacht über ihnausgesprochen und er damit aller seiner Ländereien verlustig erklärt.Bayern kam nun an den reichstreuen Otto von Wittelsbach, dessenNachkommen noch heute auf dem bayrischen Throne sitzen. Vergeblichsuchte Heinrich sein Glück mit den Waffen, er unterlag. Er kam nachErfurt und fiel dem Kaiser zu Füßen. Dieser hob ihn auf. Die Er-innerung an die frühere Freundschaft preßte ihm die Thränen aus denAugen. Wehmütig rief er aus:O Heinrich, wer anders hat dich denngestürzt als du selbst?" Mit Mühe tonnte der Kaiser bei den erzürntenReichsfürsten durchsetzen, daß Heinrich die Stammlande Braun schweigund Lüneburg gelassen wurden. Sachsen und Bayern hingegen gingenfür das welfische Haus für immer verloren. Der Kaiser schloß einJahr später mit den lombardischen Städten Frieden. Auch die Königevon Dänemark und Böhmen, sowie der Herzog von Polen erkannten ihnals ihren Herrn an. Noch als Greis fühlte Barbarossa jugendliche Kraftin sich; ja er hielt sich noch für stark genug, einen Kreuzzug zu unter-nehmen ; doch in einem kleinasiatischen Küstenflüßchen fand er, sehr wahr-scheinlich durch einen Schlagfluß beim Baden, seinen Tod. Seine Helden-gestalt hatte sich so tief dem Volke eingeprägt, daß es nicht glaubenkonnte, er sei gestorben. Die Sage erzählt, daß er im Kyffhäuser,einem Schlosse auf dem Harzgebirge, schlafe und daß er einst wieder-kommen werde, um die Herrlichkeit des deutschen Reiches aufzurichten.

In Friedrich II., der von 12151250 regierte, erwachte das Herr-scherhaus der Hohenstaufen zu neuem Glanz. Obgleich er wenig Deutsches an sichhatte, da er in Italien aufgewachsen war und seine Hauptsorge diesem Lande galt,so herrschte er doch in Deutschland mit Kraft. Viele seiner Rechte verkaufte eran die Städte und Länder und stellte ihnen sogenannte Freiheitsbriefe aus. Mitdem Papst lag er fast unaufhörlich im Kampf. Er kümmerte sich wenig um dieBannflüche desselben. Seine Krone hat er siegreich behauptet bis zu seinem Tode.I)) Sein heldenmütiger Sohn K o nrad IV. setzte den Kampf noch vier Jahre langfort, dann sank auch er ins Grab. Mit ihm schließt die glorreiche Zeit der Hohcn-staufen ab.