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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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62
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XU Rudolf von Habsburg. 12731291.

und der Landmami seinen Acker bebauen. I») Rudolf ging nicht nachItalien; denn es schien ihm der Höhle des Löwen zu gleichen, vonder der Fuchs in der Fabel sagt:Ich sehe wohl die Fußstapfen derer,die glücklich hinein-, nicht aber derer, die glücklich herauskamen." Erzog auch nicht nach Rom zur Kaiserkrönung. vt Dem Volke gefielseine einfache Lebensweise. Oft heftete er sein schlichtes Wams, wenner es auf der Jagd zerrissen hatte, mit einem Dorne wieder zusammen.Als einst seine Krieger über Hunger klagten, riß er auf einem Acker eineRübe aus, schabte und sie, und riet ihnen, das gleiche zu thun.<1) Am meisten lag ihm immer die Vergrößerung seiner Hausmacht amHerzen. Der Hauptteil derselben lag seit der Schlacht auf dem March-felde unten an der Donau, wo die Habsburger auch ihren Sitz auf-schlugen. Aber deswegen vernachlässigte Rudolf seine Besitzungen in derSchweiz und im Elsaß nicht, sondern war eifrig bemüht, sie zu einemhabsburgischeu. Herzogtum abzurunden. Deshalb kaufte er eine großeZahl von Gütern an und zwang viele Klöster, ihm die Vogteien überihre Besitzungen abzutreten. Die Summen zu seinen Käufen mußten seineUnterthanen selbst beschaffen; er drückte sie mit fast unerschwinglichenSteuern. Mancher Ort mußte drei- oder viermal mehr zahlen als früher,so z. B. die Stadt Winterthur; als er diese erworben, hatte er versprochen,jährlich nicht mehr als 100 Pfund (12,000 Fr.) zu verlangen, unddoch forderte er das drei- bis vierfache, ja einmal verlangte er sogarden 20. und ein andermal den 15. Teil des Vermögens. Solche Hab-gier mißfiel dem Volk und den Fürsten sehr. Rudolf hätte gar zu gerneseinen Sohn Albrecht von den Kurfürsten zum König wählen lassen;allein Habsburgs Hansmacht war ihnen zu groß. Rudolf starb 1291und wurde in Speier begraben.

Itudlllfrr Nachfolger. kr) Adolf von Nassau, der nur ein kleinesGebiet besaß, war von 12911298 Rudolfs Nachfolger auf dein deutschen Königs-throne. Auch er war bestrebt, sich sogleich eine große Hausmacht zu gründen. Umsich Thüringens zu bemächtigen, erklärte er die beiden Prinzen dieses Landes fürReichsfeinde und überzog ihr Gebiet mit einem Söldnerheer, das er mit englischemGelde angeworben. Als er Gerhard, dem Erzbischof von Mainz, nicht zu Willenlebte, meinte dieser, er habe noch mehr Könige in der Tasche, berief die Fürsten,ließ Adolf absetzen und Albrecht, den Sohn Rudolfs, zum König wählen. Adolfverteidigte sich, verlor aber in der Schlacht bei Göllheim, unweit Worms, Kroneund Leben. b) Albrecht I. (12981309), einäugig und von finsterem Aus-sehen, war hauptsächlich auf die Vergrößerung seiner Hausmacht bedacht. Umsonstsuchte er Holland, Thüringen und Böhmen an sich zu reißen. Als er seinem NeffenJohann das Erbe vorenthielt, ermordete ihn dieser mit Hilfe einiger Freunde beiWindisch, am Einfluß der Reuß in die Aare. v) Mehr und mehr sank das An-sehen der deutschen Krone. Die einzelnen Fürsten oder Städte rissen alle Macht, nament-iich den Heerbann, die Gerichtsbarkeit, Zölle und daS Münzrecht an sich und gelangtenso zur vollen Landeshoheit. Das deutsche Reich zerfiel nach und nach in 300 Staatenund Stätchen. 1356 wurde zum Beschluß erhoben, was schon lange Brauch gewesenwar: die Wahl des Kaisers wurde in die Hand der sieben Kurfürsten gelegt; eswaren drei geistliche: die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, und vier weltliche:der König von Böhmen, der Pfalzgraf vorn Rhein, der Kurfürst von Sachsen undder Markgraf von Brandenburg.