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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXXVI. Der Kaiser Napoleon I. 18011811.

.König Karl IV. hatte sich mit seiner sittenlosen Gemahlin ganz ihremGünstling, demFriedenssürsten" Godoi, überlassen, der sich durchGuitarrenspiel und niederträchtige Schmeichelei vom Leibgardisten bis zumallmächtigen Minister Spaniens empor geschwungen hatte. Der KronprinzFerdinand haßte Godoi und ward deswegen vom König verfolgt, ja sogareingekerkert, aber vom Volke geliebt; im Grunde war er nicht besser alsseine Eltern. Als Napoleon eine spanische Festung nach der anderneroberte, ohne daß Godoi Verteidigungsmaßregeln traf, entstand ein Auf-ruhr ; Godoi konnte mit Mühe sein Leben retten, der König aber mußtezu Gunsten seines Sohnes Ferdinand VII. abdanken. e) Napoleonwußte nun die Königsfamilie nach Bayonne zu locken. Karl IV. tratin Bayonne die spanische Königskrone nicht an Ferdinand, sondern anNapoleon ab und schämte sich nicht, von ihm ein schönes französischesSchloß zur Wohnung samt einem großen Jahresgehalt anzunehmen.(li Napoleon machte nun seinen Bruder Joseph zum König von Spanien.Doch dieser hatte schweren Stand; die nationalstolzen, durch die Feigheitihres Königs aufs tiefste verletzten Spanier erhoben sich und begannen denKleinkrieg oder die Guerilla. Das Volk war zum äußersten entschlossen.Die Franzosen wurden, wo sie sich in kleinern Truppen zeigten, ausHinterhalten überfallen und niedergemacht. o) Napoleon selbst unter-nahm an der Spitze von 250,000 Mann die Rückeroberung Spaniens,was ihm aufs glänzendste gelang. Aber kaum hatte er Joseph wiederauf den Thron gesetzt und Spanien verlassen, so brach die Guerilla vonneuem aus. Joseph wurde allmählich über den Ebro zurückgedrängt.Später trieb Wellington sogar die Franzosen über die Pyrenäen hinüber.Der Volkskrieg in Spanien erregte die ersten Zweifel an der Unüber-windlichkeit Napoleons.

o. Uapoleorr crirf der Aölpe seiner Mnctst.

1809^1812. rik Napoleon hatte Eile, aus Spanien zurückzukehren;denn Österreich, ermutigt durch die Erfolge der Spanier, wollte seinWafsenglück gegen Frankreich nochmals probieren. Es stellte ihm in dreiHeeren 450,000 Mann entgegen und rief in begeisterten Proklamationendas Volk gegen den Zwingherrn auf. Allein Österreich war auch dies-mal nicht glücklicher als früher. Mit blitzartiger Schnelligkeit standNapoleon nach fünf Gefechten vor Wien und zog in die Hauptstadt ein.Da erschien Erzherzog Karl auf dem Marchfelde vor Wien. I>) Hiersuchte ihn Napoleon auf; denn er hoffte, durch einen einzigen wuchtigenSchlag den Gegner zu vernichten oder doch so zu betäuben, daß er umFrieden zu bitten genötigt sein werde. Napoleon kämpfte um die DörferAspern und Eßliug, die auf der linken Seite der Donau liegen; er konntesie jedoch nicht einnehmen. Die Schlacht kostete ihn 17,000 Mann. Zumerstenmal hatte er erfahren müssen, daß das Kriegsglück nicht ihm alleingünstig sei. Nicht nur seine Truppen waren zu Tode erschöpft, sondernauch er selbst; denn nach der Schlacht lag er 20 Stunden nach einander