XXXIX. Die Zeit des JuliköniglumS. 1830—1848. I7:>
Bürgerkrieg auf der Pyrenäenhalbinsel spitzte sich bald zu einem europäischenPrinzipienkampfe zu. Während schwärmerische und abenteuerlustige Leuteaus aller Herren Ländern den Karlisten zuströmten und die Kaiser vonÖsterreich und Rußland ihnen Unterstützung schickten, schlössen Spanienund Portugal mit England und Frankreich die Quadrupelallianz, sodaß der absolutistische Osten Europas im konstitutionellen Westen einGegengewicht erhielt. — o) Hartnäckig wurde der Bürgerkrieg in Spaniengeführt; dauerte er doch nicht weniger als sieben Jahre (1833 — 1840).Die Karlisten hatten ihre Stärke in dem heldenmütigen und freiheits-liebenden Volke der Basken. Diese entrichteten wohl der spanischen Kroneeinen bescheidenen Jahrestribut, besaßen aber seit Menschengedenken ihreeigenen Rechte und regierten sich selbst. Die lügenhafte Behauptung derKarlisten, Christine wolle die Basken ihrer Rechte berauben, hatte sie inHarnisch gebracht. Der Sieg blieb den Karlisten treu, bis Esparteroden Befehl der Regierungstruppen übernahm. Schon war der beschränkteKarlos durch die Tapferkeit der Basken beinahe vor Madrid angelangt,als ihn Espartero so gewaltig schlug, daß sich sein Heer in wilderFlucht auflöste. Der Sieger folgte den Karlisten nach den Pyrenäen,rückte in die baskischen Provinzen ein und zwang letztere zu einem Vertrag,laut welchem sie die Königin Jsabella gegen Gewährleistung ihrer Sonder-rechte anerkannten. Die Reste der Karlisten flüchteten sich auf französischenBoden.
6. Die übrigen Staaten Guvapas ;ur Zeitdes Jutitrünigtunrs. — Auf die Kunde von den Vorgängen in Paris brach in Brannschweig eine Revolution aus. Derlasterhafte Herzog Karl wurde verjagt. Bei seinem Tode 1873 setzteer dann die Stadt Genf als Erbin ein mit der Verpflichtung, ihm einschönes Denkmal zu errichten. Einzelne deutsche Fürsten ließen sich herbei,ihrem Volke eine Verfassung zu geben. Doch Metternich war wohlauf der Hut und suchte jede freiheitliche Regung zu ersticken. Der Rufnach einer Konstitution war für ihn gleichbedeutend mit Revolution. Wieer die österreichischen Völker in politischen Schlaf eingewiegt, so sollte auchin Deutschland die uneingeschränkte Herrschaft der Fürsten nicht gestörtwerden. Der deutsche Bund wurde von Metternich in Ohnmacht darnieder-gehalten. Die Förderung des Einheitsgedankens suchte er zu hintertreiben.Eifersüchtig auf das aufstrebende Preußen, um das sich mehr und mehrdie Freunde deutscher Einheit scharten, hetzte er unausgesetzt die kleinenStaaten gegen dasselbe auf. Gleichwohl kam der preußisch-deutsche Zoll-verein zu stände, der bei seinem Beginn 1834 schon 18 Staaten um-faßte. Damit war wieder ein Schritt zur deutschen Einheit gethan. —b) Großbritannien bemühte sich unablässig, die Zahl und den Um-fang seiner Kolonien zu vergrößern. Die Julirevolution gab daselbstden Anstoß zu einer Reform des Parlaments. Dieses war keineeigentliche Volksvertretung. Der König hatte früher an Städte, Grund-