Die Revolutionen von 1818-1851.
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einer starkem Bundesgewalt widersetzen. Die übrigen Kantone stelltenTruppen auf, deren Anführer Dufonr den Gegner in raschem Zuge nieder-warf und ihn znr Auslösung des Sonderbunds nötigte. Metternich undsein gleichgesinnter Genosse Guizot, der Minister Louis Philippes, begün-stigten den Svnderbund und wären ihm wohl niit Truppen zu Hilfegekommen, wenn England nicht drohend gewehrt nnd Dusour nicht raschgehandelt hätte. So konnte sich nun die Schweiz eine ganz neue Berfassunggeben. — v) Frankreich hatte das reaktionäre Regiment satt. Am 23.Fe-bruar 1848 nötigten Barrikadenkämpfe den französischen König, Guizot zuentlassen. Die Freude darüber war in Paris so groß, daß man illumi-nierte. Aber noch am gleichen Abend traf ein unerwartetes Ereignis ein.Bor dem bewachten Ministerium des Äußern drängten sich große Volks-massen zusammen. Da fiel ein Schuß. Sogleich gab die dort aufgestellteWache eine Salve in die dichte Bolksmasse, von der sofort 33 tot nieder-stürzten. Der Anblick der durch die Stadt getragenen Leichname reiztedas Volk zur Wut. Mit Blitzesschnelle erhoben sich Barrikaden. Es kamzu blutigen Straßenkämpfen. Der König fühlte sich in den Tuilerien nichtmehr sicher; aus nächster Nähe vernahm er das Geknatter. Da dankteer zu Gunsten seines Enkels, des Grafen von Paris, ab. In bürger-licher Kleidung eilte er mit seiner Familie hinaus nnd brachte sich nachEngland in Sicherheit, während Guizot sich bald darauf in Franenkleidungaus Paris rettete. Unterdessen bemächtigte sich die Menge der Tuilerien,zerschlug alles, was unmittelbar an den König erinnerte und verbrannteden Thron. Die Republik wurde ausgerufen. — .1» Am 13. Märzbrach die Revolution auch in Wien aus. Metternich wurde entlassen.Er, der mehr als drei Jahrzehnte der mächtigste Mann Europas gewesen,war am folgenden Tag ein Flüchtling, der sich vor der Wut des Volkesnach England rettete. Unbeschreiblich freute sich das Volk über seinenSturz. — e) Wie die Kunde von den Vorgängen in Wien nach Berlinkam, gewährte der preußische König Wilhelm IV. vieles von dem, wasdas Volk verlangte. In seiner Freude zog es vor das mit Truppenbesetzte königliche Schloß, um dem Monarchen für seine Gewährung zudanken. Während das Militär die Andringenden zurückdrängte, krachtenbei den königlichen Grenadieren aus Versehen zwei Schüsse; sogleich ertöntevorn Volk der Ruf: Wir sind verraten! Zu den Waffen! Barrikadenerhoben sich im Nu und sperrten die Straßen; ein heftiger Kampf ent-spann sich und dauerte bis zum Morgen des folgenden Tages. Obgleichsich der Sieg auf die Seite der Regierungstruppen neigte, befahl derKönig diesen doch, das Feuer einzustellen. Zugleich mahnte sein Aufruf:„An meine lieben Berliner!" die Aufständischen von weiterm Blutver-gießen ab. Der König gab nach und setzte ein neues Ministerium ein. —t') Gleichzeitig loderte die Flamme des Aufruhrs in Italien. Derösterreichische General Radetzky verließ am 18. März Mailand. Venedigerklärte sich zur Republik. Die Herzöge von Parma und Mödena flohen.Die Könige von Sardinien-Piemont nnd Neapel und der Großherzog