Buch 
Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
Entstehung
Seite
180
JPEG-Download
 

Xl.I Der Krnnkrirg. 1858—18.16.

180

2. Dev rrrll'ijVti-tüvtrisctse Krieg. 1853—1854 —ri) Gegen den Rat seiner Minister und trotz der Warnung der West-mächte entschloß sich Nikolaus I. zum Krieg. Er ließ im Sommer 1853seine Truppen in die Donaufürstentümer Moldau und Walachei, also intürkisches Gebiet, einrücken. Doch die dortigen Christen erhoben sich nicht,wie Nikolaus gehofft; denn die türkische Mißwirtschaft war für sie immernoch erträglicher als das russische Tyrannenjoch. Der Sultan wurde vonder Partei der Alttürken zur Kriegserklärung gedrängt. Sein GeneralOmer Pascha überschritt die Donau und schlug die Russen in mehrerenGefechten. Trotzdem der Krieg zum offenen Ausbruch gekommen war,suchte die Diplomatie immer noch zu vermitteln. — I)) Da trat jedochein Ereignis ein, das die Westmächte, die Rußland nicht zu mächtigwerden lassen durften, zu energischem Handeln antrieb. Zwölf türkischeSchiffe unter Osman Pascha wollten Proviant nach der Ostküste desSchwarzen Meeres, wo der Kampf auch entbrannt war, bringen. Unter-wegs wurden sie bei Sinope von der russischen Flotte angegriffen undfast ganz vernichtet. Ein einziges Schiff entkam und trug die Hiobsbotschaft nach Konstantinopel. Darüber entstand nun eine große Entrüstungbei den Westmächten. Sie forderten, daß Rußland seine Truppen ausden Donaufürstentümern zurückziehe, wenn nicht, so würden sie den Hasenvon Sebastöpol auf der Halbinsel Krim sperren. Rußland gab darausnicht einmal eine Antwort. Frankreich und England erklärten ihm deshalbim Frühling 1854 den Krieg.

3. Der Krrrrrpf' nur Sevaftopol. 1854/1855 —a) Lange konnten sich die Verbündeten über den Feldzugsplan nicht einigen.Das Schicksal Karls XII. und Napoleons I. lehrte, daß den Russen zuLande nicht beizukommen war. Deshalb entschloß man sich zur BelagerungSebastöpols, des größten Festungshafeus Rußlands am schwarzen Meer.Die glänzende französisch-englisch-türkische Flotte landete an der Westküsteder Halbinsel Krim. Menschikow griff die gelandeten Truppen an, wurdeindes zurückgeworfen. Doch rasch sperrte er die Bucht, an der Sebastöpolliegt, indem er die sieben ältesten, größten Kriegsschiffe am Eingangderselben versenkte und dadurch den Angriff der Verbündeten von derSeeseite unmöglich machte. Die Stadt war durch Festungen (Forts),700 große Kanonen und 30,000 Soldaten, deren Zahl sich später nochbedeutend mehrte, geschützt. Die eigentliche Seele der Belagerten warGeneral Tod leben, dessen Geist jeden Tag neue Festungswerke hervor-zauberte. - 1») Beinahe ein ganzes Jahr drehte sich nun der Haupt-kampf um diese Stadt. Die Verbündeten schlössen sie ein und be-schossen sie; doch die Russen blieben die Antwort nicht schuldig. DieVerbündeten, welche gehofft, die Stadt noch vor Beginn des Wintersbezwingen zu können, überzeugten sich, daß dies unmöglich war und daßsie sich auf eine regelrechte, langweilige Belagerung einrichten mußten.Laufgräben wurden aufgeworfen und den Festungswerken immer näher