186 X1.1I. Gründung des Königreichs Italien. 1859—1860.
bekannten roten Blouse und dem runden, schwarzen Filzhut wirklich mitdem Bösen im Bunde sei. Der Übername „roter Teufel," den sie ihmgaben, war ein Beweis ihrer Furcht. Garibaldi zwang Palermo nachkurzer Belagerung zur Übergabe; der Kommandant erhielt mit 2000 Mannfreien Abzug. Im Namen seines Königs ordnete nun Garibaldi die Verwaltung der Insel und setzte ein Ministerium ein, in welchem sein FreundCrispi das Innere erhielt. — <1) Zur Eroberung der ganzen Inselbrach er von Palermo in drei Kolonnen auf, von denen eine der Süd-küste, eine andere der Nordküste entlang, die dritte durch die Mitte derInsel zog. Nur die nördliche Kolonne stieß auf Widerstand, der aberin hartem Gefecht gebrochen wurde. Ganz Europa blickte mit Bewunde-rung auf Garibaldi, der in uneigennütziger Weise sein Leben für einehohe Idee einsetzte und diese auch mit unbeugsamer Willenskraft auszmführen sich bestrebte. Mochte er auch in den Hofkreiseu von Neapel undWien als fluchwürdiger Räuberhauptmann gefürchtet, anderwärts alsFreischarenhäuptling „mit einem Herz von Gold und einem Büffelkopf"betitelt werden, das Volk erblickte in ihm einen wahren Freiheitshelden. —Herr über Sicilien, dachte nun Garibaldi au die Revolutionier»»,;Neapels, das ihm mit über 10,000 Mann entgegen trat. Am20. August 1860 setzte er über die Straße von Meffina und bemächtigresich Reggios. Gänzliche Mutlosigkeit ergriff seine Feinde; die Machtseiner edlen Sache war so groß, daß sich ihm ganze Regimenter ohneSchwertstreich ergaben. Der König geriet in Verzweiflung, er konnte sichweder auf seine Flotte noch auf sein Heer verlassen; seine männlich tapfereGemahlin Maria, eine Prinzessin von Bayern, flößte ihm Mut ein.Der König verließ Neapel und zog sich mit den ihm gebliebenen Truppen,etwa 60,000 Mann, in die festen Plätze Gaöta und Capua zurück.Im Namen Viktor Emanuels ll. nahm Garibaldi Besitz vom ganzen König-reich und richtete als provisorischer Diktator eine Verwaltung ein. Fastwiderstandslos hatte er im Vertrauen auf seine edle Sache das Königreich gewonnen.
4. Eroberung des Krvrhenilaates. CavouvsTdd. — n.) Garibaldi wollte die italienische Fahne auch auf demQuirinal zu Rom aufpflanzen. So lange diese Stadt noch nicht zurResidenz des neuen Reiches erhoben war, betrachtete er die EinigungItaliens nicht als vollendet. Nur mit größter Mühe konnte er jetzt voneinem Angriff auf dieselbe zurückgehalten werden; denn ein solcher hättedie größten Schwierigkeiten bereitet. Die fremden Gesandten erklärten,im Falle eines Angriffs sofort abreisen zu wollen. Der Papst suchtesein Heer, das meist aus Söldnern, aber auch aus Glaubeuseifrigen undAbenteurern bestand, unter dem französischen General Lamoriciöre aufguten Fuß zu stellen. Die päpstlichen Ünterthanen wünschten dringendAnschluß au Piemont und schickten eine Abordnung nach Turin. Cavonrbefand sich wieder einmal in arger Klemme; denn auch sein Freund