XÜV. Der deutsch-Miizösische Krieg. 1870—1871. 207
worden war, entsetzen sollten, gruppierten sich in drei Armeen; eine West-armee an der Loire, nacheinander unter verschiedenen Generalen, zuletztunter dem heldenmütigen Chanel); eine Nord armee um Lille unterFaidherbe und eine Südostarmee an der Saone unter Bvurbaki.Während sich die beiden ersteren strahlenförmig Paris näherten, sollteletztere Belfort entsetzen und in Süddeutschland einfallen. Trochu, derKommandant von Paris, der über 300,000 Mann gebot, sollte durchAusfälle dcu Besatzungsring zu durchbrechen suchen. Eine Einnahme vonParis schien geradezu unmöglich; denn die Stadt war auf zwei Monateverproviantiert, zudem rings von einem doppelten Besestigungsgürtel um-geben: von einem innern, in Gräben, Wällen und bastionierten Mauernbestehend und einem äußern von 15 detachierten Forts auf Höhen in70 llin weitem Umkreise um die Stadt herum, von denen jedes zu einernahezu uneinnehmbaren Festung umgestaltet war. Darauf gestützt konnteTrochu um so mehr seine Truppen zur Offensive brauchen, und der Loire-und Nordarmec die Hand bieten. — d) Die zuerst gebildete Loire-armee schien eine Zeitlang den Deutschen recht gefährlich zu werden.Wohl zwang der bayrische General von der Tann dieselbe in zwei Ge-fechten bei Orleans, diese Stadt zu räumen; allein 70,000 Franzosenunter Aurelles brachten den 15,000 Bayern des Generals von der Tannbei Cvulmiers, nordwestlich von Orleans, am 9. November eine Nieder-lage bei, so daß jene auch die Stadt räumen mutzten. Mit ungeheuremJubel feierten die Franzosen diesen Sieg; es ist der einzige von Bedeu-tung, den sie im ganzen Krieg erfochten haben. Schon schmeichelte sichGambetta mit der Hoffnung auf Entsetzung von Paris. Doch dembedrängten bayrischen General wurde der Großherzog von Mecklenburg zuHilfe geschickt; auch nahte Prinz Friedrich Karl mit dem größten Teilseines Belagerungsheeres von Metz her. Die Franzosen mußten in mehrerenGefechten zurückweichen, namentlich in denjenigen vom 3. und 5. Dezemberbei Orleans, wodurch die Deutschen diese Stadt wieder gewannen.Chancy, der nun die Loirearmee kommandierte, bezog in Beaugencyan der Loire eine feste Stellung, wurde jedoch in viertägigem, mörderischemRingen hinausgeworfen. Mit den Trümmern seines Heeres flüchtete ersich nach Le Maus zurück; aber auch hierhin folgten ihm die Deutschenunter Prinz Friedrich Karl, und in siebentägigem Kampfe im Januar1871 vernichteten sie die Loirearmee, deren Soldaten, wenn sie auchunterlagen, sich mit außerordentlicher Tapferkeit schlugen. — «) Ebensotapfer kämpfte die französische Nordarmee unter Faidherbe; gleichwohlerlitt sie durch Manteuffel bei Amiens und durch Göben bei St. Quentinschwere Niederlagen, so daß von hier aus für Paris keine Hilfe zu hoffenwar. — tl) Aber noch schlimmer erging es der dritten oder Südostarmeeunter Bvurbaki. Dessen Versuch, Belfort, das vom General von Werderbelagert wurde, zu entsetzen, scheiterte; denn in den hitzigen Kämpfen vom15.—17. Januar 1871 warf Werder Bvurbaki auf Besantzv» zurück.General Manteuffel kam Werder von Südwesten her zu Hilfe; er ver-