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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XU Die Zeit seit 1871.

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land die Wiederaufrichtung der deutschen Kaiserwürde zur Folge.Schon im Oktober 1870 hatten sich Abgeordnete der süddeutschen Höfein Versailles eingefunden. Der bayrische König Ludwig II. beantragtedie Wiederherstellung des deutschen Reiches und der Kaiserwürde, die jetztstatt an die katholischen Habsburger an die protestantischen Hohenzollernfallen mußte. Eine Reichsverfassung wurde vereinbart; nach dieser verfügtder Kaiser über das Heer, vertritt das deutsche Reich nach außen, erklärtKrieg und schließt Bündnisse; ein Reichstag, dessen Mitglieder direkt vomVolk gewählt werden und ein Bundesrat von 58 Mitgliedern, von welchenPreußen 17, Bayern 6 u. s. w. zukommen, besorgen die Gesetzgebung desdeutschen Reiches. Wie das Heer, so steht auch das Post- und Tele-graphenwesen unter einheitlicher Leitung des Reiches. Einheitliches Maß-,Gewichts- und Münzsystem sollte durchgeführt werden; doch behielten sichWürttemberg und Bayern noch besondere Rechte, namentlich im Militär-wesen vor. Die feierliche Kaiserproklamation fand am 18. Januar1871, am Jahrestag der Erhebung der Hohenzollern zur Königswürde(1701), im Spiegelsaal zu Versailles statt. — e) Der deutsch-französischeKrieg hatte auch für Italien ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeu-tung zur Folge. Sobald der Krieg ausbrach, rief Napoleon III. diefranzösischen Truppen zurück, welche bisher Rom besetzt hatten. Hieraufnahm Viktor Emanuel am 20. September die heilige Stadt ein, nachdemder Papst jede Vereinbarung abgelehnt.

XU Die Zeit seit 1871.

1. Das deutstlse Reich» — ».) Die Jahre seit 1871 sindfür das deutsche Reich eine Zeit gewaltiger Machtstellung nach außenund Politischen Ausbaus und wirtschaftlichen Fortschritts nach innen.Durch seine ruhmreichen Wafseuthaten an die Spitze der europäischenStaaten gestellt, beherrschte dasselbe, namentlich so lange Bismarck Kanzlerwar, die Politik Europas. Es suchte und fand Anschluß an Österreichund Rußland, später auch an Italien, da Frankreich den Verlust vonElsaß-Lothringen nicht verschmerzen konnte und beständig ein Rache-(Revanche) Krieg zu befürchten war. Mit Österreich und Italien schloßdas deutsche Reich eine Defensivallianz. Sein Verhältnis zu Rußlandwurde kühler, als Bismarck im Jahre 1878 auf dem Berliner-Kongreßden russischen Eroberungsgelüsten auf der Balkanhalbinsel entgegentratund der Bildung selbständiger Staaten das Wort redete. Zwar gewanner Rußland für einen geheimen Vertrag, der indes nach seinem Rück-tritt, der 1890 erfolgte, nicht mehr erneuert worden ist, so daß sich Ruß-land von Deutschland ab- und mehr Frankreich zuwandte. — l>) Wil-helm I. starb, beinahe 91 Jahre alt, im Jahre 1888; sein Sohn FriedrichWilhelm wurde unter dem Namen Friedrich III. Kaiser, erlag aber schonLuginbiihl, Weltgeschichte. 2. Aufl. 14