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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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39
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Größere Reiche, Deutsches Reich im 10.12. Jhdt. 39

Normandie als französisches Lehnsherzogtum von Norwegern gegr. 911»Von dort aus erobern die inzwischen französisierten Normannen den angel-sächsischen Staat unter Wilhelm dem Eroberer 1066, gründen Herrschaften indem zwischen Griechen, Langobarden und Arabern zerspitterten Unteritaliens. 1030, Sizilien s. 1061; in Kämpfen mit Arabern (Sarazenen) und Griechen,denen sie alle italienischen Besitzungen entrissen. Robert Guiskard Herzog v.Apulien und Kalabrien 10561085. Roger II. v. Sizilien vereinigt bis 1139alle Normannenstaaten, s. 1130 König, eigentlicher Begründer und Organisatordes fortgeschrittenen blühenden Staates. Glänzende arabisch-romanische Mtschkultur.

Der Freistaat Island mit altgermanischer Verfassung c. 930, 1264 mitNorwegen vereinigt.

3. Versuche größerer Reichsbildungen, ähnlich der karolingischen und nochvergänglicher:

Reich der Ruriks von Kiew s. 970; Wladimir d. Große 9801015.

Das westslawische Reich des Boleslaw Chrobry, ersten Königs von Polen,9921025. Beide durch Familienteilungen zerrissen.

Das Nordseereich Dänemark, Norwegen, England Kanuts desGroßen, 10161042.

4. Erster großer Nationalstaat: Das Deutsche Reich (anfangs regnunrsaxonicum) entstanden als Fortsetzung des ostsränkischen durch Zusammenschlußder Sachsen und Franken, 919, unter Heinrich I. v. Sachsen als Wahlkönig, 921auch von Schwaben und Bayern anerkannt, dazu 925 das teilweis romanische, vor-her an Westfranken gefallene Lothringen. Zuerst eine Art Staatenbund oderallenfalls Bundesstaat, aber schon Otto I. der Große (936-973) legte unterKämpfen mit den Herzogen festere Grundlagen politischer Einheit. Das Reichwar nicht mehr teilbarer Familienbesitz. Otto versucht die Herzöge zu Reichs-beamten zu machen und setzt ihnen in Pfalz- und Markgrafen neue Beamte zurSeite; da aber die weltlichen Lehnsträger immer wieder entglitten, stützt sich dasKönigtum auf die mit Ämtern und Gütern reich ausgestatteten geistlichen Würden-träger als ein ganz abhängiges, weil nicht erbliches Reichsbeamtentum. DasEinheitsgefühl wuchs, die GesamtbezeichnungDeutsche" (6eot ---- Volk) bürgertsich ein.

In raschem Aufschwung erlangte das Reich die unbestrittene Vorherrschaftin Europa. Weite slawische Gebiete wurden angegliedert: die östlichen Marken(Nordmark, Lausitz, Meißen, Österreich, Körnten), Böhmen und Mähren; Polenund Ungarn gerieten in vorübergehende Abhängigkeit. Otto I. verband damitdie Herrschaft über das ehemals langobardijche Italien mit Rom (952, 961)und die erneuerte römische Kaiserwürde (962); auch das Königreich Arelat (Bur-gund) trat 1034 in das Verhältnis der Realunion zu Deutschland.

Volle Machtentfaltung unter den auf das sächsische Haus folgenden Königenaus fränkischem (salischem) Hause (10241125), besonders Konrad II. (1024 bis1039) und Heinrich III. (10391056). Das Königtum unter den noch ganznaturalwirtschaftlichen Verhältnissen ohne feste Residenz und durchgebildete