40 Kaiser und Papst. Kultureller Tiefstand des Abendlandes.
Verwaltung sucht gegen die nach Erblichkeit der Lehen und Erweiterung ihrerRechte strebenden Kronvasallen unmittelbaren Einfluß auf deren Aftervasallen(Erblichkeit der kleinen Lehen gefördert) und stützt sich auf die unfreien Ministe-rialen, die nun emporsteigen. Politisch treten diese und gleichzeitig städtischeBürgerschaften um 1070 zuerst hervor.
Die Könige beherrschen die Kirche vollständig, üben das unbeschränkte Er-nennungsrecht, setzen auch die Päpste ein und ab (962—1056). Seit 1059,während der Minderjährigkeit Heinrichs IV., löst sich das Papsttum aus dieserAbhängigkeit und sucht die Kirche von weltlicher Gewalt frei zu machen. Es er-hob sich im JnvestiturstreiU) aus einem Schützling zu einer dem Königtum eben-bürtigen Macht, das führte zu fortgesetzten Reibungen zwischen den beiden uni-versalen Gewalten. Das deutsche Fürstentum tritt dabei zuerst als politische, demKönigtum gefährliche Macht hervor: 1076/77 Absetzung Heinrichs IV. und Wahleines Gegenkönigs.
Unter dem schwäbischen Königshause der Staufer (1138—1254) glänzendeHerrscher und Machtstellung: Friedrich I. Barbarossa (1152—1190), Hein-rich VI. (1190—1197) und der halbitalienische Friedrich II. (1215-1250), dergeistig bedeutendste Herrscher des Mittelalters. Aber die Staufer verbrauchenihre Kräfte schließlich in ergebnislosen Kämpfen um die Herrschaft in Italienund im Streben nach kaiserlicher Universalgewalt. Das Königtum verlor dienatürlichen Grundlagen in Deutschland und geht im Daseinskampf mit dem Papst-tum und den italienischen Städten zugrunde. Das Deutsche Reich zerfiel inEinzelstaaten.
8. kulturelle Entwicklung.
Morgenland und Abendland.
Unter den im römischen Reiche vereinigten Ländern standen die semitisch-hamitischen, Vorderasien und Nordafrika, an natürlichem Reichtum, wirtschaft-licher Betriebsamkeit, Wohlstand und Kultur am höchsten. Hellas, Sizilien, daseigentliche Italien gingen in der Kaiserzeit an Volkszahl und Wirtschaft zurück,die geistige und künstlerische Produktion stockte, seit etwa 200 n. Chr. allgemeinerNiedergang im Westen, Rückfall aus der Geldwirtschaft in die Naturalwirtschaft.Dauernder Abfluß der Edelmetalle nach dem Orient, Aufhören der Edelmetall-produktion. Orientalischer Einfluß überwog in Religion, Kultur, Handel undGewerbe.
Niedergang im Abendlande verstärkt durch die Einbrüche der Germanenund Slawen, vornehmlich seit 400, und die Gründung germanischer Krieger-staaten. Das Leben sank auf bäuerlichen Fuß, die Städte verkümmerten, die
*) S. unten S. 44.