Morgenländische Kultur.
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Kultur wurde immer dürftiger und erreicht um 900 ihren Tiefstand. Die Lite-ratur stirbt nach 600 ganz ab, die selbst stark barbarisierte Kirche pflanzt nurspärliche Trümmer antiker Bildung fort. Der Zusammenhang mit hellenischerKultur seit der Kirchenspaltung völlig verloren.
Kultur ausschließlich kirchlich, Literatursprache ein verderbtes Lateinisch.Altgermanische Dichtkunst untergegangen unter Ludwig dem Frommen (—840)Von Künsten Baukunst und Musik gepflegt, durch die Kirche. „Romanische"Baukunst mit germanischer Ornamentik s. 10. Jhdt. Erziehung nur für dengeistlichen Stand, in Kloster- und Domschulen; unselbständig fortgepflanzte Unter-weisung in den 7 freien Künsten. Denken in kirchlichen Grenzen.
Früheste Verarbeitung christlichen Geistes in Irland, bei den Germanenerst seit etwa 900. Erster selbständiger Denker Joh. Scotus Erigena (—877)Wachsender Einfluß des asketischen Mönchtums, Hinwendung zur Mystik (KaiserOtto III. —1002). __
Fortpflanzung hellenischer Bildung im byzantinischen Reiche, doch ohneselbständige Weiterbildung. Aus antiken und orientalischen Elementen entstehtder „byzantinische" Stil s. 5. Jhdt. (die Sophienkirche in Konstantinopel um 530).Geistiges Leben hob sich nach Verfall wieder seit c. 850; hohe Gelehrsamkeit,mehr Zivilisation als Kultur.
Die arabische Eroberung hat lange nicht so verwüstend gewirkt wie diegermanische im Westen, die Araber eigneten sich viel schneller als die Germanendie Kultur der höherstehenden Unterworfenen (hellenistische, persische, indische) an,bildeten sie in eigenartiger Weise und Mischung fort, seit 9. Jhdt., und ver-breiteten sie auch nach Jnnerasien, Nordafrika, Spanien. Landbau, Gewerbe,Technik, Handel, Wissenschaft und Künste in den islamitischen Ländern, zumalim 10.—12. Jhdt., in hoher Blüte. Aristotelische Philosophie, mathematischeWissenschaften von Griechen und Indern beeinflußt, Poesie von Persern undIndern. Baukunst mit äußerst flüssiger Linienführung und wunderbar phan-tastischer Ornamentik.
Die islamitischen Länder und Byzanz waren dem Abendlande wirtschaftlichund kulturell, in Gewerben, Kunstfertigkeit und Handel, Wohlstand und Bildungs-pflege unendlich überlegen.
Hoher Stand der Zivilisation auch in Indien (der Dichter Kalidasa im5 Jhdt. n. Chr.) und in China unter der Tang-Dynastie (619—906), demklassischen Zeitalter der Künste. Die Technik in China am höchsten entwickelt;die chinesischen Erfindungen — Lumpenpapier, Buchdruck, Holzschnitt, Pulver,Magnetnadel, Brille, Alkohol, Porzellan — gelangen teilweise zu den Arabernund durch diese nach Europa; dort wurden sie eigentlich erst richtig fruchtbargemacht, was die Chinesen nicht recht fertig gebracht hatten.
Chinesische Kultur über Korea nach Japan, 5./6. Jhdt. Buddhismus im6. Jhdt. in Japan, im 7. in Tibet herrschend.
Seit dem 9. Jhdt. kommt im Abendlande ein einheimischer Handelsstandempor und verdrängt die Syrer und Griechen, die bis dahin den spärlichen