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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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50 Das französische Königtum im 12.-15. Jhdt.

Lange Regierungszeiten und regelmäßige Folge von Vater und Sohnschufen ein monarchisches Gewohnheitsrecht und tatsächliche Erblichkeit, währendin Deutschland wiederholt jähe Unterbrechungen Katastrophen für die Königsmachtbedeuten (so 1002, 1056, 1197) und immer wieder zur Wahlmonarchie führen.

Es bildet sich dabei eine tradionelle, stetige, erfolgreiche Königspotitik, aufStärkung der Zentralgewalt und Minderung der feudalen und kommunalen Auto-nomie ausgehend. Die Könige wissen die Lehnshoheit, das Verfügungsrecht überdie Lehen, die Gerichtsbarkeit über die Vasallen zu behaupten, während die deut-schen Staufer Regierungsrechte verschleudern; sie lassen keine neuen Sonder-gewalten (Städte) aufkommen, benutzen Kirche und Bürgerschaften gegenLehnsträger.

Seit Philipp II. Augustus (11801223) und Ludwig IX. dem Heiligen(12261270) planmäßiges Einziehen großer Lehen unbotmäßiger Vasallen, Ein-ziehungsrecht der Krone bei Erlöschen des Mannesstammes; in Deutschland da-gegen wird der Krone der Heimfall erledigter Lehen verwehrt, verschwindet dasKrongut bis Ende 13. Jhdts. So wird das Herzogtum Francien zum König-reich France erweitert; seit den Albigenserkriegen (12081229) die provenxalischeNation unterworfen und von der nordfranzösischen einverleibt, selbst ihre Sprache,die erste Literatursprache Europas, verschwindet allmählich.

Philipp IV., le Bei 12851314, beginnt den absoluten Obrigkeitsstaatgegen den Feudalstaat durchzusetzen, behauptet planmäßig die Souveränität desStaates sowohl gegen die Herrschoftsansprüche und Eingriffe der päpstlichen Kuriewie gegen die Hoheitsansprüche der Barone. Zentralgewalt auf Steuern, Be-rufsbeamte und Soldtruppen aufgebaut. Einheit des Reiches durch erste Be-rufung der Stände (Geistlichkeit, Adel, Städte) aller Landschaften (£tats genöraux),doch ohne Rechte, bekundet. Während das deutsche Königtum dem Papsttumunterlegen ist, wird dieses vom französischen gedemütigt (1302) und in Abhängig-keit gebracht (Babylonische Gefangenschaft der Kurie in Avignon, 1309 1377).

Das französische Königtum ist jetzt die stärkste weltliche Macht. Es beginntdie früher (925 und 1033) dem deutschen Reiche zugefallenen lothringischen undburgundischen Landesteile zurückzugewinnen.

Nach langen Wirren (Kriege mit England um die franz. Thronfolge13391453, englische Siege bei Cröcy 1346, Maupertius 1356, Azincourt 1415)neuer Ausbau der unumschränkten Monarchie durch Ludwig XI. (14611483),der die Macht der großen Vasallen bricht und Einheit wiederherstellt.

Cnglaml.

Harte despotische Fremdherrschaft unter französisch-normännischen Königen10661154; dann das französische Haus Anjou-Plantagenet, 11541399.

Hof- und Verwaltungssprache französisch, doch erhalten sich die angesiäcdsischenGrundlagen in Lokalverwaltung und Gerichtsverfasiung (alte Grafschaftseinteilungbis heute). Unter Heinrich II. (115489) tritt das angelsächsische Element wiederstärker hervor, nach 1250 bildet sich aus der Vermischung mit dem normännischenund keltischen die englische Nation, im 14. Jhdt. die englische Literatursprache.