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Abriss der allgemeinen Geschichte / von Hugo Rachel
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Kultureller Fortschritt durch die Städte.

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städtische Bürgerstand, der neben Ritterstand und Kirche selbständig emporkommtzuerst im Mtttelmeergebiet, dann auch im Norden, voran Flandern, Nordfrank-reich, West- und Süddeutschland.

Die Städte wie in Griechenland Ursprung aller Revolution.

1. Auflehnung gegen feudal-hierarchische Herrschaft, Durchsetzung der Selbst-verwaltung gegen das patrimoniale System.

2. Die Handarbeit gegen den Besitz, Gewerke gegen Geschlechter. Strebennach weitgehender Demokratie.

3. Kapitalistische Wirtschaft in Gewerben (Weberei, Bergbau, Verlags-betriebe), Waren- und Geldhandel, Kreditgeschäfte, Bankwesen gegen hauswirt-schaftliche und zünftlerische Anschauungen und kirchliche Satzungen (Zinsverbot).

4. Aufkommen urchristlich-demokratischer und kommunistischer Regungen,gegen Hierarchie und Dogmenzwang, vor allem in niederen städtischen Kreisen(Bedeutung der Weber und Bergleute).

5. Soziale Bewegungen: Zunftkämpfe, städtisches Proletariat und.Bauerns. Anfang 14. Jhdts. in Italien (so Florenz), Frankreich (1358 Jacquerie), Eng-land 1381. In Deutschland s. 15. Jhdt. Unruhen des gewerblichen Proletariats(Gesellen) und Bauern in Ober- und Mitteldeutschland. Bauernkrieg 1525.

Das bewegliche Kapital tritt seit d. 13. Jhdt. neben den Grundbesitz, ihnbald überflügelnd, kräftige Entfaltung von Gewerbe und Handel. Goldprägungin den italienischen Handelsstädten wieder aufgenommen, zuerst 1250 in Florenz(Gulden, florin), Geld- und Kreditgeschäfte (Wechsel, Lombard, Giro, Depositen).Handels- und Wechselmessen in Burgund und Champagne.

Florenz, Venedig, Genua Großhandelsplätze und Geldmärkte, dann auchMontpellier, Lyon, s. 15. Jhdt. Augsburg, Nürnberg. 14. Jhdt. Brügge größterUmschlagplatz im Norden, s. Ende 15. Jhdts. Antwerpen.

Steigen von Wohlstand, Technik und Kunstfertigkeit, städtische Baukunst.Einwohnerzahlen im 15. Jhdt.: Paris, Neapel, Palermo, Venedig über 100000,Rom, Florenz, Genua, Brügge, Gent, Antwerpen, Lübeck, Köln 50100000.

Die Kriegführung wird kapitalistisch betrieben (couckottieri in Italien), zu-gleich zur Kunst ausgestaltet. Aufkommen der Feuerwaffen im 14., von aus-schlaggebender Bedeutung im 15. Jhdt. Das Rittertum wird auch auf diesem,seinem eigentlichen Felde) zurückgedrängt, das Kriegswesen demokratisiert; eng-lische Milizen, flandrische Zünfte gegen französische Ritterheere siegreich, Schweizer-und Hussitenkriege, Landsknechte.

Auch geistig erlangt das Bürgertum die Führung.

Seit Neubelebung des römischen Rechts in Italien (12. Jhdt.) berufs-mäßige Juristen (Legisten) in Justiz und Verwaltung von Bedeutung, sehr ein-flußreicher Stand.

Universitäten zuerst in den romanischen Ländern, dann England, s. 14. Jhdt.Deutschland, Ende 15. Jhdts. in Skandinavien.