Englische Revolution. Französische Vorherrschaft. 71
Dagegen scheitern die Bestrebungen der Stuarts in England (regierens. 1370 in Schottland, s. 1603 in England), eine unumschränkte Königsmacht mitSteuern und Heer durchzusetzen, am Widerstand von Volk und Parlament.Bürgerkrieg zwischen Parlament und König Karl I. s. 1642, dieser 1649 hin-gerichtet.
Kräftige Regierung, energische nationale Machtpolitik des LordprotektorSCromwell 1653—68.
Wiederherstellung der Stuarts 1660, wegen ihrer absolutistisch-katholisierendenBestrebungen und nationalen Unzuverlässigkeit 1688 vertrieben („Glorreiche"Revolution, Wilhelm III. von Oranien). Die Bill of Rights (1689) sichertFreiheit, Rechtsgrundlagen und Bedeutung des Parlaments als maßgebendstenStaatsfaktors in Verbindung mit der Krone.
Seit 1714 Könige aus dem Hause Hannover, seitdem die tatsächlicheRegierung, auch die auswärtige Politik durch ein dem Parlament verantwortlichesMinisterium ausgeübt — parlamentarisches System, nicht gesetz-, sondern gewohn-heitsmäßig. Herrschaft des Grundbesitzes und des höheren Bürgertums; zweisich abwechselnde konservative Parteien (Tories und Whigs). Zielbewußtenationale Politik der herrschenden Aristokratie.
1707 politische und wirtschaftliche Union Schottlands mit England —Großbritannien —, ein Parlament.
Auf dem Festlande durchaus das französische Vorbild richtungweisend:der alles reglementierende Obrigkeits- und Polizeistaat, Militarismus undMerkantilismus, höfischer Glanz uno Verschwendungssucht, Soldatenspielerei undBauliebhaberei, Mißachtung des „Untertanen". In den Kleinstaaten zum Zerr-bild ausartend („Serenissimus").
Frankreichs Drängen nach der Rheingrenze:
Seit 1633 Lothringen jahrzehntelang besetzt, 1766 endgültig französisch.
Seit 1639 Teile des Elsaß erobert, 1648 vom Reich abgetreten.
1658 erster Rheinbund, durch Mazarin: deutsche Gefolgsstaaten, Subsidien-zahlungen an deutsche Fürsten.
1667 Beginn der Eroberungskriege Ludwigs XIV. gegen spanische Niederlande,Holland (1672) und deutsches Reichsgebiet.
1680 „Munions", 1681 Straßburg besetzt, s. 1688 Kämpfe um die Pfalz; inDeutschland beginnt Nationalhaß gegen den „Erbfeind".
Frankreich gelingt es seine Ostgrenze vorzuschieben (Friedensschlüsse von Aachen1668, Nimwegen 1678, Ryswyk 1697), aber es leidet selbst unter denfortwährenden Kriegen und Militärlasten; die überseeischen Aufgaben, zudenen es nach seiner Lage vorzüglich befähigt ist, werden vernachlässigt, undes wenden sich seit 1689 mächtige Koalitionen gegen den französischenImperialismus, unter Führung von England (Wilhelm III. 1689-1702Seele der aniifranzösischen Politik) und Österreich: 1689 — 1697, der Kriegum die spanische Erbfolge 1701—1713/14 nach Aussterben der spanischenHabsburger (1700). Schwere französische Niederlagen durch Prinz Eugenund Marlborough. Friede zu Utrecht 1713.