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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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73
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lieh die Plebs, d. i. der Haufe, genannt. Ehen zwischenPatriziern und Plebejern waren strenge verboten. So wares, als ob zwei fremde Völker in Rom nebeneinander be-stünden. Da tat nach der Sage der sechste von den siebenKönigen, Servius T u 11 i u s, den ersten Schritt zuihrer Verschmelzung. Er wollte ein größeres Heer habenund zog deshalb alle, welche die Mittel hatten, sich selberauszurüsten und zu verpflegen, gleichviel ob Patrizieroder Plebejer, zum Kriegsdienst heran. Nacli dem Ver-mögen teilte er sie in verschiedene Klassen. Die Reichstenmußten zu Pferd dienen, die Mittleren aber als mehr oderweniger schwer bewaffnetes Fußvolk; nur diejenigen, dienichts oder so gut wie nichts besaßen, blieben vom Kriegs-dienst befreit. So wurden die Plebejer endlich zn römi-schen Bürgern, freilich zunächst zu solchen, die bloßLasten, aber keine Rechte hatten.

4. Brutus st ii r z t das K ö n i g t u m (510 v. Chr.).— Nach einer langen und guten Regierung wurde dergreise Servius Tullius von seinem Schwiegersohn Tar-(| u i n i u s vom Throne gestürzt und umgebracht. DieRegierung des ruchlosen Mörders entsprach ihrem An-fang. Tarquinius schaltete mit so empörender Tyrannei,daß ihn die Römer den „Übermütigen“ nannten. Er tat.was ihm beliebte, ohne jemals den Senat zu befragen, undließ die angesehensten Patrizier hinrichten, sei es, daß sieihm verdächtig schienen oder daß ihn nach ihren Reich-tümern gelüstete. Die Plebejer aber drückte er hart durchFrondienste bei großartigen Bauten, durch die er sichein Denkmal stiften wollte. Schon beseelte daher das ganzeVolk, vornehm und gering, die höchste Erbitterung gegenden Tyrannen. Da geschah es, daß einer seiner Söhne,während der König im Kriege war, gegen eine vornehmeRömerin, namens Lukretia, eine schändliche Gewalt-tat verübte. Lukretia wollte den Schimpf nicht überlebenund stieß sieh einen Dolch ins Herz, nachdem sie ihrenGemahl Collatinus und dessen Freund .Jun ins Brutusgebeten hatte, sie zu rächen. Während die andern weh-