aus dem Gefangenen nähere Angaben über sein Vorhabenzu erpressen. Statt aller Antwort hielt der Römer seinerechte Hand in ein in der Nähe brennendes Feuer undließ sie von diesem ohne ein Zeichen des Schmerzes ver-zehren, zum Beweis, daß ihn keine Drohung erschrecke.Von Entsetzen und Bewunderung ergriffen, sprang Por-senna von seinem Sitze auf und schenkte dem Mucius, dervon seiner Tat den Beinamen Scävola, d. i. Linklmnd,erhielt, Leben und Freiheit. Dieser eröffnete hierauf demKönige freiwillig, daß er nur einer von dreihunderten sei,die sich gegen sein Lehen verschworen hätten, und dieAussicht, daß die Gefahr sich so oft wiederholen werde,erschreckte den Porsenna derart, daß er mit den RömernFrieden schloß und abzog.
,‘h Auszug auf den heiligen Berg (494 v.Clir.).— Zur Ruhe gelangten indes die Römer damit keines-wegs; dazu waren sie selber viel zu kriegerisch gesinnt.Kein Jahr verging, ohne daß sie bald gegen diesen, baldgegen jenen Nachbar zu Felde zogen, ln ihren Kämpfenaber legten sie eine erstaunliche Kraft und Zähigkeit anden Tag. Wenn sie auch hie und da Niederlagen erlitten,nie verzagten sie und ruhten nicht, bis endlich der Siegihre Anstrengungen krönte. Aber auf der anderen Seitestürzten die unaufhörlichen Kriege den ärmeren Teil desVolkes in tiefes Elend. Dem reichen Patrizier, der seineGuter durch Sklaven oder Pächter bearbeiten ließ, brachteder beständige Kriegsdienst wenig Nachteil. Aber werbesorgte dem kleinen Bauer aus dem Plebejerstund wäh-lend seiner Abwesenheit den Acker, von dem er Weil»und Kind ernähren sollte? Zuweilen brachen auch dieFeinde ins römische Land ein; dann wurden seine Pflan-zungen verheert und seine Hütte niedergebrannt. Suchteer sich aus der Not zu helfen, indem er hei einem PatrizierGeld borgte, so verlor er erst recht alles, seihst seinLehen oder seine Freiheit. Bei den hohen Zinsen wuchsseine Schuld lawinenartig an, und nach römischem Rechtverfiel der Schuldner, der nicht zahlen konnte, seinem