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Gläubiger mit Leib und Leben; dieser konnte ihn ein-sperren, töten oder als Sklaven verkaufen. Schon vielenwar es so gegangen, und große Unzufriedenheit herrschtedeshalb im Volke. Als es wieder einmal zum Kriege gebensollte, erschien auf dem Markte ein alter Mann, in Lum-pen gehüllt, mit bleichem, abgezehrtem Antlitz. Die Mengeerkannte in ihm einen ehemaligen Hauptmann, der sichdurch seine Tapferkeit einen Namen gemacht batte. Krerzählte, wie ihn der Krieg in Schulden uiul Knechtschaftgestürzt habe; soeben sei er den Mißhandlungen seinesunmenschlichen Herrn entflohen. Dabei wies er auf dieblutunterlaufenen Striemen auf seinem Rücken, die vonGeißelhieben herrührten. Die Menge geriet über diesemkläglichen Anblick in solche Erbitterung, daß sie sichweigerte, zu Felde zu ziehen. Die Konsuln beruhigten siedurch Versprechungen, und der Feind wurde geschlagen.
Als aber das Heer siegreich heimkehrte, weigerten sichdie Patrizier im Senat, zu irgendwelchen Erleichterungendie Hand zu bieten. Jetzt zogen die ergrimmten Plebejerin kriegerischer Ordnung auf einen unweit Rom gelegenenHügel, der von da an der „heilige Berg“ genannt 494 v.Chrwurde, und drohten, dort eine eigene Plebejerstadt zugründen. Die Patrizier erschraken und sandten den M e-nenius A g r i p p a, einen klugen, beim Volke beliebtenMann, auf den heiligen Berg hinaus. Dieser erzählte denPlebejern, die Glieder hätten sich einst gegen den Magenverschworen, daß sie ihm keine Speise mehr zuführenwollten, weil dieser allein alles verzehre und doch nichtsarbeite. Der Magen habe sich dabei sehr schlecht befun-den, aber nicht weniger die Glieder, bis sie erkannt hätten,daß der Magen nicht ohne sie und auch sie nicht ohneden Magen bestehen könnten. Das Volk verstand denSinn dieser Fabel und gab gegen das Versprechen, daßder härtesten Schuldennot Abhülfe geschaiTt und einebesondere Behörde zum Schutze der Plebejer errichtetwerden solle, sein Vorhaben auf, sich von den Patriziernzu trennen.