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Tag und Nacht daran, die Mauern zu befestigen und neueWaffen zu verfertigen. Die Weiber schnitten ihre Haareab, um daraus Sehnen für Bogen und Wurfgeschütze zubereiten. Als die Römer endlich vor Karthago rückten,waren sie ganz erstaunt, den entschlossensten, helden-mütigsten Widerstand zu finden. Jahrelang belagertensie die Stadt vergeblich, bis Scipio Ämilianus, derEnkel des Siegers von Zama, den Oberbefehl übernahm.
An Tatkraft seinem Vorfahren gleichend, schnitt er denKarthagern durch gewaltige Sclianzwerke jede Zufuhrvom Lande ab; sogar im Meere baute er Dämme, um denEingang zum Hafen zu sperren. Furchtbar ßng der Hun-ger in der eingeschlossenen Stadt an zu wüten; wer je-doch von Übergabe sprach, wurde getötet. Endlich gelanges Scipio, in die Stadt zu dringen. Aber Straße um Straße,
Quartier um Quartier mußte erstürmt werden; sechs Tagedauerte das entsetzliche Morden. Von den 700,000 Ein-wohnern blieben 50,000 am Leben, die sich ergaben und indie Sklaverei verkauft wurden. Die Gemahlin des kartha-gischen Oberbefehlshabers stürzte sich mit ihren Kindernin die Flammen eines brennenden Tempels, um nicht indie Hände der Feinde zu fallen. Dem Auftrag des Senatesgemäß ließ Scipio die prächtige Stadt anzünden und völlig 146 v. Ohrzerstören; siebzehn Tage wüteten die Flammen. Dannwurde über Hannibals Heimat der Pflug gezogen und dieganze Gegend feierlich zu immerwährender Öde ver-flucht. Aus dem Gebiet Karthagos aber wurde die römi-sche Provinz Afrika.
§ 19. Die beiden Gracchen.
1. Der neue Adel. — Fünfzig Jahre nach Hanni-bals Tod war Rom die Oberherrin aller Länder und Reicherings um das Mittelmeer geworden. Seine Provinzenreichten von Portugal bis nach Kleinasien, und die Königeund Fürsten, die es noch am Mittelmeer bestehen ließ,überboten sich in kriechender Unterwürfigkeit gegen die