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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
96
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gewaltige Republik; gab sich doch ein asiatischer Königden Ehrentitel eines „t’reigelassenen römischen Sklaven“.Aber hinter diesem äußeren Glanze der Republik lauerteschon der innere Verfall. Seit ihre Bürger über so vielefremde und reiche Lande herrschten, war ihnen die alteSchlichtheit und Reinheit der Sitten verloren gegangen.Zügellose Genußsucht, Habgier, Bestechlichkeit und La-ster aller Art nahmen in Rom überhand. Die Zeiten, wodie römischen Feldherren vom Pfluge weg an die Spitzeihrer Heere eilten, waren längst vorüber. Der Form nachwar Rom noch immer eine Demokratie, in welcher dasVolk die höchste Gewalt besaß. In Wahrheit lag aber alleMacht in den Händen einer kleinen Zahl von vornehmenFamilien. Die hohen Ämter in Rom waren nämlich un-besoldet; die Ehre allein sollte für die damit verbundeneMühe und Arbeit entschädigen. Es war sogar die Unsitteaufgekommen, daß das Volk von den Würdenträgern, diees erwählte, erwartete, daß sie zur Befriedigung seinerSchaulust auf ihre Kosten glänzende Feste veranstal-teten. Ein weniger bemittelter Bürger konnte daher garnicht mehr daran denken, sich um Ämter zu bewerben.Die Menge hatte sich daran gewöhnt, ihre Stimme denvornehmen Herren zu geben, deren Väter und Verwandteschon im Senate saßen und die reich genug waren, ihreGunst mit großartigen Spielen oder auch mit Geldspendenzu erkaufen. Nur ausnahmsweise kam es vor, daß jemandgewählt wurde, der nicht zn diesen Familien gehörte unddann von diesen als Emporkömmling, als „neuer Mensch“über die Achsel angesehen wurde. So bildeten die im Be-sitz der Ämter und Würden befindlichen Geschlechterwieder eine Art Adel; sie nannten sich die „Optima-teifird. i. die Besten. Wirklich hatten diese Vornehmenfrüher den Staat in Ehren verwaltet; aber je länger, jemehr begannen sie ihre Macht schmählich zu mißbrau-chen, Sie bereicherten sich als Fehlherren ip-den Kriegenund taten als Landvögte in den Provinzen in ruchlosenFreveltaten, in schamlosen Erpressungen es den ärgsten