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kühnen Neuerer Rache. Das Gesetz verbot, daß ein Volks-tribun zwei Jahre hintereinander das Amt bekleide. Alssich Gracchus dennoch zur Durchführung seines Antrageswieder wählen lassen wollte, entstand in der Volksver-sammlung ein wildes Getümmel. Tiberius zeigte mit derHand auf seine Stirne, zum Zeichen, daß sein Lehen be-droht sei. Jetzt hieß es in der Stadt, er fordere schon dieMenge auf, ihm die Königskrone aufs Haupt zu setzen.
Ein Haufe von Senatoren stürmte mit Knütteln undStuhlbeinen bewaffnet herbei, die Menge wich scheu aus-einander, und Gracchus wurde mit 300 anderen Bürgern 132 v. Chr.erschlagen. Unter dem Vorwand, Tiberius habe sich zumTyrannen Roms machen wollen, wurde der Mord nach-träglich gerechtfertigt, das Andenken des Erschlagenengeächtet und noch eine Anzahl seiner Anhänger demHenker überwiesen.
4. Gajus Gracchus (+ 121 v. Chr.). — Tiberiusfand aber einen Nachfolger in seinem neun Jahre jün-geren Bruder Gajus Gracchus. Sittenrein, hoch-gebildet und tapfer, wie sein Bruder, überragte ihn Gajusnoch an glänzenden Geistesgaben. Selbst die Gegner er-klärten ihn für den größten Redner, den Rom je gehabthabe; die Macht seiner Worte erschütterte die Zuhörerbis zu Tränen. Sobald Gajus das nötige Alter erreichtbatte, ließ er sich ebenfalls zum Volkstribunen wählen.
Sofort schlug er eine ganze Reihe von Gesetzen vor,durch die er der Not des Volkes zu steuern und die elendeAdelsherrschaft, die ihm den Bruder gemordet, zu stürzensuchte. Die Menge vergötterte ihn als ihren Wohltäter.
Dei Adel war wie gelähmt, und alles schien dem gewal-tigen Tribunen zu gelingen. Gajus schlug nicht nur Ge-setze vor, er überwachte auch deren Ausführung und ent-faltete eine rastlose Tätigkeit. Wie ein König waltete erüber Rom und ohne Widerstand wurde er ein zweites Malzum Tribun gewählt. Jetzt glaubte der edle Mann, eswagen zu dürfen, auch gegen die zurückgesetzten Stam-mesbrüder in Italien Gerechtigkeit zu üben. Wohl hatten