Buch 
Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
108
JPEG-Download
 

108

zeug seines Willens. Bei allem Ehrgeiz war Cäsar auf-richtig auf das Wohl des ungeheuren Reiches bedacht.Er suchte die noch lebenden Gegner durch kluge Mildezu versöhnen und schuf manche nützliche Einrichtungen.Unter anderm führte er einen verbesserten Kalender ein,so wie er in der Hauptsache noch heute im Gebrauch ist.Aber die ekelhaften Schmeicheleien seiner Anhänger,unter welchen Antonius, ein fähiger, aber durch unddurch verdorbener Mensch, es allen andern zuvortat, dieseinen Geburtsmonat Julius tauften und ihm Bildsäulenals einem Gotte errichteten, empörten das Gefühl derbesseren Römer. Eine Anzahl Senatoren verschworensich zur Ermordung des „Tyrannen“. An der Spitze stan-den Brutus und C a s s i u s. Beide hatten gegen Cäsargekämpft, waren jedoch von ihm begnadigt und mit aller-lei Auszeichnungen überhäuft worden, namentlich Bru-tus, zu dem der Gewaltige eine besondere Zuneigung faßte.Aber höher als die Gunst des Monarchen schätzte Brutusdie Freiheit. Als er eines Tages an der Statue seines Ahn-herrn, des Gründers der Republik, die Worte geschriebenfand: „Brutus, schläfst du?“ war sein Entschluß gefaßt.Mitten im Senate fielen die Verschworenen mit Dolchenüber Casar her. Als er unter ihnen auch Brutus erblickte,verhüllte er mit den Worten: „Auch du, mein Sohn!“ sein44 v. Ohr. Ilaupt und sank, von vielen Wunden durchbohrt, am Fußder Bildsäule des Pompejus zusammen.

7. Zweites Triumvirat. Schlacht bei A c-t i u in (31 v. Chr.). — Wie sehr irrten jedoch Brutus undCassius, wenn sie glaubten, durch Cäsars Ermordung dieRepublik wieder aufrichten zu können! Das römischeVolk bewies, daß es zur Monarchie reif war, indem essich über den Tod seines Lieblings eher unwillig zeigte.Antonius durfte es wagen, dem Toten eine glänzendeLeichenrede zu halten, und entflammte die Menge zu sol-cher Raserei, daß die Mörder in die Provinzen flüchtenmußten. In Rom geriet alles in die wildeste Unordnung.Da verband sich Antonius mit dem achtzehnjährigen