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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Herrscher bezeichnet; denn unser „Kaiser“ kommt vonCäsar. Daneben führte er den Beinamen Augustus. d.h.der Göttliche, den ihm der Senat verlieh, um ihn dadurchden Göttern gleichzustellen. In der Tat erhoben sich als-bald im ganzen Reiche zahllose Tempel und Altäre zuEhren des neuen Gottes; nur in Rom geschah es infolgeseines ausdrücklichen Verbotes erst nach seinem Tode.Den fürstlichen Pomp Cäsars vermied Augustus absicht-lich. Aber er gründete seine Gewalt auf ein großes ste-hendes Heer von 300,000 Mann, das teils zum Schutz derGrenzen in den äußeren Provinzen stand, teils in Rom diekaiserliche Leibwache bildete. Im übrigen suchte er dieBluttaten, durch die fer sich den Weg zum Throne gebahnthatte, während seiner langen Regierung zu sühnen, in-dem er sich bemühte, die schrecklichen Wunden, die derBürgerkrieg dem Reiche geschlagen, zu heilen. War dieFreiheit verloren, so kehrte unter ihm wenigstens Ruheund Ordnung in die gequälte Welt zurück. Die verödetenLandschaften bevölkerten sich wieder. Ackerbau, Handelund Gewerbe hoben sich, Dichtung, Kunst und Wissen-schaft blühten und warfen einen verklärenden Schimmerauf das beginnende Kaiserreich.

2. Nero. — Aber bald sollte die Welt erfahren, wieunsicher das Glück eines Staates ist, wenn es von derPerson eines Monarchen abhängt. Schon unter den erstenNachfolgern des Augustus artete das römische Kaiser-tum in eine scheußliche Despotie aus. Es waren halbwahnsinnige Blutmenschen, die sich in allen Lastern undGreueltaten wälzten, bis sie von ihrer Umgebung ermordetwurden. Besonders der vierte, Nero, schien seinen Stolzdrein zu setzen, es allen Verbrechern zuvorzutun. Er er-mordete seinen Bruder, seine Mutter, seine Gattin, seinenLehrer und tausend andere. Das Leben unter einem sol-chen Herrscher schien nur noch eine Last. Die edelstenRömer gaben sich den Tod, selbst wenn sie noch nichts64 n. Chr. von dem Despoten zu fürchten hatten. Als im Jahr 64eine Feuersbrunst fast die ganze Hauptstadt verzehrte