111
und zahllose Menschenleben zugrunde gingen, hielt jeder-mann den Kaiser für den Brandstifter. Nero aber warfdie Schuld auf eine neu auftauchende Sekte, die Chri-sten, und ließ diese scharenweise wilden Tieren vor-werfen, kreuzigen oder des Nachts in seinen Gärten alsFackeln lebendig verbrennen. Zuletzt empörte sich derStatthalter Spaniens, G a 1 b a, gegen den Nichtswürdigenund zog mit seinen Soldaten gegen Rom. Nero sah sich von 68 n.Chr.allen Seiten verlassen und ließ sich von einem Sklaventöten. Mit ihm erlosch das Kaiserhaus des Augustus.
3 . Vespasian undTitus (um 70 n. Chr.). — Nunhielten sich aber andere Soldatenführer für ebenso be-rechtigt zur Kaiserwürde, wie Galba. Es entstand einverheerender Bürgerkrieg, und ein Kaiser stürzte den an-deren, bis der tüchtige Vespasian sich behauptete und 70 n. Chr.die Ordnung im Reiche wieder herstellte. Ihm folgte sein
Sohn Titus, den das Volk seiner Herzensgüte wegen„die Wonne der Menschheit“ nannte. Hatte er an einemTage nichts Gutes getan, so sagte er, er habe diesen Tagverloren. Doch wurde das Reich unter seiner Regierungvon großen Unglücksfällen heimgesucht. So verschütteteein fürchterlicher Ausbruch des Vesuv zwei volkreicheStädte, Pompeji und Herculanum. Anderthalb 79 n. Ohr.Jahrtausende lagen sie in der Tiefe verborgen, bis manim Jahre 1721 beim Graben eines Brunnens auf ihreReste stieß. Nun fing man an, sie von ihrer Decke zu be-freien; große Teile, namentlich von Pompeji, wurdenbloßgelegt und geben uns jetzt ein deutliches Bild voneiner altrömischen Stadt bis aufs kleinste herab.
4 . Trajan (um 100 n. Chr.). — Die glänzendste Zeitdes Kaiserreiches war das zweite Jahrhundert nachChristi Gehurt. Da wurde den Römern das Glück zuteil,daß mehrere treffliche Herrscher hintereinander regierten.
Der berühmteste war Trajan, unter dem die römische um 100Weltherrschaft ihre höchste Ausdehnung erlangte. Ein n - Chr -ausgezeichneter Feldherr, händigte er in kühnen Kriegs-zügen die räuberischen Nachbarn des Reiches und fügte