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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
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140
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als der Gebieter des Abendlandes, als der Erbe und Nach-folger eines Augustus und Trajan erschien? So groß warnoch immer der Glanz des Römernamens, daß der mäch-tige Germanenkönig keine höhere Ehre kannte, als sichdamit zn schmücken. Von einem Papst gegen Aufstän-dische zu Hilfe gerufen, zog Karl im Jahr 800 nach Romund ließ die Bürger der Stadt zusammentreten, auf daßsie ihn zum Kaiser wählten. Dann setzte ihm am Weili-naclitstage der Papst in der Peterskirche vor versammel-tem Volke die goldene Krone aufs Haupt und brachteihm kniend die Huldigung dar, während die Kirche vondem Zuruf der Menge widerhallte: „Heil und Sieg demvon Gott gekrönten großen Kaiser der Römer CarolusAugustus!“ So wurde das wes tr ömis el\ e Kaiser-reich drei Jahrhunderte nach seinem Untergang wenig-stens der Form nach wieder hergestellt.

4. K a r 1 s Beichso r d n u n g. — Karl glänzte abernicht bloß als Eroberer, er verstand es auch, in seinemweiten Reiche gute Ordnung herzustellen. Nach frän-kischem Herkommen teilte er dasselbe, wo es nicht schonfrüher geschehen war, in lauter kleinere Provinzen oderG a u e ein, die wieder in Hundertsc h a f t e n zer-fielen. An die Spitze .jedes Gaues stellte er einen an-gesehenen Mann als Statthalter, der G r a f genannt wurde.Der Graf führte die Mannschaft des Gaues im Kriege an,er zog die Abgaben und Bußen ein, wachte für die Sicher-heit der Straßen und handhabte Recht und Gericht.Größere Befugnisse, als die gewöhnlichen Grafen, be-saßen die Markgrafen, denen der Schutz der „Mar-ken“, d. h. der Grenzprovinzen oblag. Um diese Statt-halter zu beaufsichtigen und das Volk vor ihrer Willkürzu schützen, ließ Karl besondere Beamte, die „Send-grafe n“, alljährlich von Gau zu Gau reisen und sichvon ihnen Bericht erstatten. Im ganzen Reiche galt desKaisers Wille als Befehl. Doch war Karl kein römischerDespot. Er unternahm nichts Wichtiges ohne die Zustim-mung der Reichsversammlung, die im fränkischen