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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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fanden sich gebildete Männer fast nur unter der Geist-lichkeit. Deshalb, wie aus frommem Sinn wandte Karldieser seine besondere Gunst zu und nahm aus ihr vor- zii glich seine Ratgeber und Mitarbeiter. Um für den

Unterhalt der Geistlichen und der Armen zu sorgen, vev-ordnete er, daß jedermann den zehnten Teil des Er-trages seiner Güter an die Kirche abgeben solle. Beialler Ergebenheit gegen den Papst in Rom betrachtetesich der Kaiser als das eigentliche Oberhaupt der Kirche.Er ernannte Bischöfe und Äbte, berief Kirchenversamm-lungen und erließ Vorschriften für die Geistlichkeit, allesnach seinem Gutdünken.

6. Karls Persönlichkeit. Schon das Äußeredes großen Herrschers flößte Ehrfurcht ein. Von hoch-ragendem, kraftvollem Wuchs, besaß er ein wohlgeform-tes, freundliches Antlitz, große, klare Augen und im Alterschöne weiße Haare; nur wollte seine helle Stimme zuder mächtigen Gestalt nicht recht passen. An gewöhn-r- liehen Tagen unterschied sich seine Kleidung wenig von

der gemeinen Volkstracht; hei festlichen Gelegenheitendagegen schritt er in golddurchwirktem Gewände, miteinem aus Gold und Edelsteinen besetzten Stirnband undeinem mit Edelsteinen verzierten Schwert einher. InSpeis und Trank war er sehr mäßig; die Trunkenheit ver-abscheute er an jedermann, geschweige an sich und denSeinigen. Im Reiten und Jagen tat es ihm keiner zuvor.Bis ins hohe Alter kannte er keine Krankheit trotz seinerrastlosen Emsigkeit. Keine Minute verfloß ihm unbenutzt.Oft stand er des Nachts auf, um zu arbeiten. Beim An-kleiden besprach er sich mit seinen Vertrauten überStaatsgeschäfte; während der Mahlzeit ließ er sich vor-lesen oder hörte Musik. In der Jugend hatte ihm dasWaffenhandwerk nicht viel Zeit zur Bildung gelassen,nicht einmal schreiben hatte er gelernt; aber als Mannholte er das Versäumte nach. Im Umgang mit Alkuinnnd andern Gelehrten eignete er sich alle Kenntnisseseiner Zeit an, sprach fertig Lateinisch und verstand

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