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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
Entstehung
Seite
148
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955 L e c h f e 1 d e, schlug er die wilden Eindringlinge aufsHaupt. Unzählige kamen in der Schlacht oder auf derFlucht um; die Gefangenen ließ er ohne Gnade als Räuberaufknüpfen, darunter den Anführer der Ungarn. Seitdemverging diesen die Lust zu weitern Raubzügen. Sie ge-wöhnten sich in dem Lande, das von ihnen den Namenerhielt, an ein seßhaftes Lehen, nahmen das Christentuman und wurden aus gefährlichen Feinden der europäi-schen Gesittung zu einer Vormauer derselben.

3. Ottos Kaiserkrönung (9(»2 n. Chr.). — KeinKönig in Europa konnte sich mehr an Macht und An-sehen mit Otto, den schon die Mitwelt den G r o ß e nnannte, messen, und er hielt sich daher für berechtigt, nachder höchsten Würde des Abendlandes, nach der römi-schen Kaiserkrone zu greifen, die seit dem Er-löschen der Karolinger eine Art Spielzeug in der Handder italienischen Großen geworden war. Ein zweites Mal

962 zog er über die Alpen und ließ sich in Rom vom Papstzum Kaiser krönen. Wenn der deutsche Herrscher dabeidie Krone aus der Hand des Papstes empfing, so war dasin seinen Augen eine bloße Form und keineswegs einZeichen der Abhängigkeit. Tm Gegenteil, Otto betrach-tete sich durchaus als Oberherr Roms und der Kirche.Päpste, die ihm nicht gehorchten, entsetzte er, und dieRömer mußten ihm schwören, keinen Papst zu wählen,ohne vorher seine Zustimmung einzuholen. Seitdem bliebdie römische Kaiserwürde den deutschen Königen, diedadurch auch äußerlich den Vorrang vor allen übrigenMonarchen des Abendlandes erhielten.

4. Konrad II. und Heinrich UL — Hätte dasruhmgeki’önte sächsische Kaiserhaus fortbestanden, sowürde Deutschland eine Erbmonarch'ie geworden sein,gerade wie Frankreich. Dasselbe starb jedoch, nachdemes dem Reiche noch drei Kaiser gegeben und im ganzen

919—1024 105 Jahre regiert hatte, aus, und die deutschen Großenwurden dadurch an ihr Recht erinnert, den Herrscher zuwählen, ln der Rheinebene zwischen Mainz und Worms