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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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164
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die Kämpfer vom Scheitel bis zur Sohle in Eisen gehülltund Schwerter und Lanzen stumpf waren, war doch dasSpiel nicht ohne Gefahr und kostete manchem das Leben.Derjenige, der sich beim Turnier am meisten ausgezeich-net hatte, erhielt als Sieger einen Habicht, Sperber odersonst einen Preis, der an sich keinen großen Wert dar-stellte; aber die Ehre und der Ruhm, die er davontrug,sicherten ihm eine glänzende Zukunft.

4. Das Konzil zu C1 e r m o n t (1095). Seinehöchste Ausbildung empfing das Rittertum in den Kreuz-zügen, die seinem Tatendrang und seiner Abenteurerlustein unermeßliches Feld eröffneten. Seit der Zeit desKaisers Konstantin, der in Jerusalem die Kirche des hei-ligen Grabes gestiftel hatte, pilgerten stets zahlreicueChristen nach der Stätte, wo der Heiland gelebt und ge-litten hatte. Diese Wallfahrer hatten unter der Feind-seligkeit der mohammedanischen Herren des gelobtenLandes oft schwer zu leiden. Am schlimmsten wurde es,seit Scharen von rohen Türken aus der Umgegend desAralsees in das sinkende Reich der arabischen Chalifenhereinströmten und die Herrschaft in demselben an sichrissen. Das Abendland widerhallte von den Klagen derPilger über die Mißhandlungen, denen sie im heiligenLande ausgesetzt waren. Zugleich wandte sich der grie-chische Kaiser in Konstantinopel an Papst Urban 11.um Hilfe gegen die Türken, die ihn schwer bedrängten.Da berief der Papst im Jahr 1095 eine Versammlung von1095 Geistlichen und Laien nach der Stadt Clermont inFrankreich. Hier schilderte er unter freiem Himmel voreiner zahllosen Menge in ergreifenden Worten dieSchmach, daß das Grab des Heilandes in der Hand derUngläubigen sei, die bitteren Leiden der Pilger, die Ge-fahren, die der ganzen Christenheit von den Türkendrohten, und forderte auf zum heiligen Kriege. Denen,die dazu auszögen, verhieß er Vergebung der Sünden undewigen Lohn. Kaum hatte er geendet, so erscholl es, wieaus einem Munde:Gott will es, Gott will es! Tausende