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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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165
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drängten sicli herzu und empfingen das Abzeichen derGottesstreiter, ein rotes Kreuz, auf die rechte Schultergeheftet, wovon diese Unternehmungen den NamenKreuzzüge erhalten haben.

5. Eroberung Jerusalems (1099). Einefieberhafte Begeisterung, eine unnennbare Sehnsuchtnach dem Morgenlande ergriff alle Stände des Abend-landes, namentlich in Frankreich. Fürsten und Ritterrüsteten mit Eifer. Aber auch das niedere Volk verließseine Hütten und verlangte nach dem heiligen Kampfe.Große Scharen sammelten sich um einen EinsiedlerPeter von Amiens, der auf einem Esel durch dieLande ritt und überall durch seine schwärmerische Pre-digt die Massen hinriß. Er führte sie donauabwärts undgelangte bis nach Kleinasien, wo die ungeordneten,schlechtbewaffneten Volkshaufen eine leichte Beute derTürken wurden. Aber nun setzten sich die wohlgerüstetenRitterheere in Bewegung, vor allem die Franzosen, ge-führt von den mächtigsten Vasallen ihres Königs, dannauch Deutsche unter Gottfried von Bouillon, demHerzog von Niederlothringen, und Italiener, im ganzenetwa 300,000 Krieger. Auf verschiedenen Wegen kamdiese gewaltige Heeresmasse vor Konstantinopel zusam-men. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem grie-chischen Kaiser, der alle Eroberungen der Kreuzfahrerfür sich beanspruchte, setzten diese nach Kleinasien über,wo sofort der Kampf gegen die Ungläubigen begann.Schwer hatten sie von der Tapferkeit und List der Feinde,von der ungewohnten Sonnenglut und von dem bitterenMangel in dem öden Innern der Halbinsel zu leiden.Starke Festungen, die am Wege lagen, mußten belagert>uul genommen werden. Nach unsäglichen Mühsalen undden schwersten Verlusten bekamen die Kreuzfahrer end-lich im Sommer 1099, drei Jahre nach ihrem Aufbruch, 1099Jerusalem zu Gesicht. Auf den Knien, unter Tränenund Lohgesängen begrüßten sie die heilige Stadt. Nochzählten sie etw T a 20,000 kampffähige Krieger, die feind-