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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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Deutschlands Einheit war gebrochen; es zerfiel in eineUnmasse von Fürstentümern, die nur noch lose zusam-menhingen. Unter den deutschen Reiehsfiirsten nahmenjetzt die sieben Kurfürsten, auf die sich allmählichdas Recht, den König zu küren, d. h. zu wählen, beschränkthatte, den ersten Rang ein. Von diesen Kurfürsten warendrei geistliche, die Erzbischöfe von M a i n z, T r i e r undK ö 1 n, und vier weltliche, die Kurfürsten von der P f a 1 z,von Sachsen und Brandenh u r g und der König vonBöhme n. Die Sieben verstanden es vortrefflich, ihrRecht, wenn nicht zum Nutzen des Reiches, so doch zuihrem eigenen auszuüben. Von jedem Bewerber um dieKrone verlangten sie als Preis ihrer Stimmen wieder einStück der kaiserlichen Rechte und Einkünfte, bis nichtsmehr zu verschleudern übrig blieb. Wie sie den Königwählten, so maßten sie sich auch das Recht an, ihn unterUmständen wieder zu entsetzen, und verlangten, daß ernichts ohne ihre Zustimmung unternehme. Doch beriefendie Kaiser von Zeit zu Zeit auch sämtliche Fürsten zuReichstagen ein, um mit ihnen über die Angelegen-heiten des Reiches zu beraten. Im Gefühle, daß sie denFürsten gegenüber wenig mehr bedeuteten, suchten dieKaiser die Zeit ihrer Regierung hauptsächlich dazu zubenutzen, eine Haus m acht zu gründen, d. li. möglichstumfangreiche erbliche Fürstentümer an ihre Familie zubringen.

^ 2. Rudolf v o n Ha lisb u r g (1273121)1). Der

erste, dem die Gründung einer solchen 1 rausmacht ge-( 273-1291 lang, war Rudolf von H a b s b u r g. Mit rühmenswerterTatkraft suchte dieser kluge und unermüdliche Herrscherdem wüsten Faustrechtszustand im Reiche abzuhelfen.Mancher freche Raubritter erfuhr die Stärke seines Ar-mes, und dies, sowie sein schlichtes, leutseliges Wesen er-warb ihm ein unvergängliches Andenken im Volke. Vorallem aber hatte er die dauernde Erhöhung seines Hatisesim Auge, wozu ihm der Trotz eines Großen treffliche Ge-legenheit bot. Der mächtige Böhmenkönig Ottokar,