174
Eine dichte Bevölkerung häufte sich in ihnen an, die huKaufmaunsberuf und Handwerk „goldenen Boden fand“.Und während die wehrlosen Bauern auf dem Lande mitwenig Ausnahmen zu Hörigen des Adels herabsanken, sowurden die Städte Bollwerke der Volksfreiheit. Um ihreMauern zu verteidigen, übten sich die Bürger gleich demAdel in den Waffen. Um ihren Handel zu sichern, zogensie aus, brachen die Burgen der llaubritter und säubertendie Straßen von den Wegelagerern. Mit der Waffeu-tiichtigkeit erwachte ihr Freiheitssinn. Es wurde Grund-satz, daß der „Boden der Städte freimache“. Ein Leib-eigener, der dorthin floh und ein Jahr auf ihrem Grundewohnte, durfte von seinem Herrn nicht mehr zurück-gefordert werden; er wurde ein freier Bürger, wie dieübrigen. Das höchste Ziel, das einer Stadt vorschwebte,war die Reichsfreiheit, d. h. die Stellung, in dersie nur dem Kaiser, aber keinem Fürsten unterworfenwar. Durch kaiserliche Freiheitsbriefe gelangten die mei-sten großem Städte Deutschlands an das Ziel. Nur vomKaiser, vom Reich abhängig sein, hieß aber hei derSchwäche des Reichsoberhauptes so ziemlich sein eigenerHerr sein. So waren die reichsfreien Städte förmlicheRepubliken, die sich seihst regierten. In der Erkenntnis,daß Eintracht stark mache, schlossen die deutschen StädteBünde untereinander. Von diesen S t ä d t e b ii n den hatbesonders derjenige der H a n s a hohen Ruhm erlangt,eine Vereinigung der norddeutschen Städte zum Schutzihres Handels zu Wasser und zu Lande. Anfänglich nurein Bund zwischen Lübeck und Hamburg, umfaßte dieHansa zuletzt über 80 Städte von Holland bis Riga undbeherrschte mit ihren Flotten die nordischen Meere. An-dere große Bünde vereinigten die süddeutschen Städte.Auf diese Weise gelangte das deutsche Bürgertum zueiner Macht, vor der Fürsten und Adel zitterten. So großwurde das Ansehen der Reichsstädte, daß ihnen amReichstag neben den Fürsten und Kurfürsten Sitzund Stimme eingeräumt werden mußte. Aber um die