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dachten zeitlichen Strafen zn erlassen, sogar die SeelenVerstorbener aus dem Fegfeuer zu erlösen. Hatten diefrühem Kirchenhäupter solchen Sündenablaß anfromme Werke geknüpft, so hielten ihn die jetzigen auchum bloßes Geld feil. Jede Sünde hatte ihren bestimmtenPreis. Um Geld konnte man sich von Gelübden, vonkirchlichen Geboten und Verboten loskaufen; um Geldwar in Rom und Avignon alles feil. Wie das Haupt, sodie. Glieder. Auch die Bischöfe trachteten meist mehrnach irdischer Macht und irdischen Glücksgütern, als da-nach, durch erbaulichen Lebenswandel dem Volk ein Vor-bild zu sein. Unter dem Priesterstande herrschte eineunglaubliche Roheit, Unwissenheit und Sittenlosigkeit. Inden Klöstern hatte die frühere Tätigkeit dem Müßiggangund dem Laster Platz gemacht; konnten doch in einem soberühmten Gotteshaus wie St. Gallen zuzeiten weder derAbt noch die Mönche auch nur ihren Kamen schreiben.
2. Wiklif (f 1384) und Johannes II u s. — Wal-es da ein Wunder, daß es Leute gab, die von dieser ent-arteten Kirche nichts mehr wissen wollten und ihr dieEinfachheit und Reinheit der evangelischen Zeiten gegen-überstellten! Freilich wurden solche „Ketzer“ mitFeuer und Schwert verfolgt. Päpste, Bischöfe und Mönchebefaßten sieb eifrig mit der „Inquisition“, d. h. mitder Aufspürung der Ketzer, um sie ihrer gewöhnlichenStrafe, dem Scheiterhaufen, zu überliefern. Trotzdemwagte ein gelehrter Engländer, namens W i k 1 i f, in Wortund Schrift das zuchtlose Treiben der Geistlichkeit, dieHerrsch- und Habgier der Päpste aufs schärfste anzu-greifen. Gestiizt auf die Bibel, die er ins Englische über-setzte, hatte Wiklif sogar den Mut, die Messe, Beichte,Bilder- und Heiligenverehrung, das Mönchtum und anderekatholische Gebräuche, die sich nicht auf die heiligeSchrift gründen ließen, offen zu verwerfen. Doch bliebsein Wirken zunächst ohne äußern Erfolg. Er selbstkonnte zwar eines natürlichen Todes sterben, da ihn 1334mächtige Gönner beschirmten; aber die Anhänger, die er