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im Volke fand, wurden mit blutiger Strenge ausgerottet.Da schlugen seine Lehren Wurzel in dem fernen Böhmen.Hier begeisterte sich der Prediger und Professor Johan-nes H u s in Prag, ein tiefernster, nach Wahrheit dür-stender Mann, an Wiklifs Schriften, von denen er zufälligKenntnis erhalten hatte. Furchtlos predigte Iius gegendie Mißstände in der Kirche, und die Macht seiner Bered-samkeit, sowie die Reinheit seines Wandels gewannen ihmdie Herzen seiner Landsleute. Obwohl der Papst denBann gegen ihn schleuderte, war die Zahl seiner Anhängerbeständig im Wachsen.
3. Das Konzil zu Konstanz (1414—1418). —Mittlerweile war es dem Kaiser Sigmund gelungen,einen der drei Päpste, Johann XXIIL, einen ehe-maligen Seeräuber, dahin zu bringen, daß er eine neueKirchenversammlung oder ein Konzil, wie man damals
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1414 sagte, nach Konstanz einberief, um der Kirchen-spaltung ein Ende zu machen. Von allen Seiten strömten .
Teilnehmer herbei. Der Kaiser und der Papst, Gesandtesämtlicher europäischer Könige, zahlreiche Fürsten,
Hunderte von Kardinälen, Bischöfen und berühmten Ge-lehrten aus allen Ländern fanden sich ein, dazu eine Un-masse von Bediensteten, Kaufleuten, Gauklern und Neu-gierigen aller Art, so daß man zeitweise über 100,000Fremde in der deutschen Reichsstadt zählte. Einer sostattlichen Versammlung vermochten die Gegenpäpstenicht stand zu halten. Johann XXIII., der zu ent-fliehen suchte, als ihn das Konzil zur Abdankung drängte,wurde mit Schimpf und Schande, unter der Anklage aufGiftmord und andere scheußliche Verbrechen entsetzt.
Der zweite legte seine Gewalt freiwillig nieder, und derdritte, der sich hartnäckig weigerte, sah sich von allerWelt verlassen. So konnte das Konzil ein neues Kirchen-haupt wählen, das sofort allgemeine Anerkennung fand.
" 4. Hus verbrannt (1415). — Aber man hoffte von
der glänzenden Versammlung in Konstanz noch mehr.
Man erwartete von ihr eine durchgreifende Verbesserung