183
je
der Kirche, eine „R eformation an Haupt undGlieder n“. Wirklich beschloß das Konzil, die Kirchen-verbesserung an die Hand zu nehmen, und erklärte, esstehe über dem Papste, dieser habe sich seinen Beschlüs-sen zu unterziehen. Allein der neue Papst wußte dieSache so gut einzufädeln, daß gar nichts zustande kam.
Was hätte sich übrigens für eine Reform von einer Ver-sammlung erwarten lassen, die sich nicht scheute, alsKetzergericht einen wahrhaft frommen Mann zu ver-brennen! Auf Kaiser Sigmunds Einladung hatte sich auchJohannes Hus zum Konzil begehen, um hier seineLehren zu verteidigen. Der Kaiser hatte ihm einen Ge-leitsbrief ausgestellt, worin er ihm sichere Heimkehr ver-bürgte. Doch kaum war Hus in Konstanz angekommen,so wurde er in den Kerker geworfen. Sigmund ließ sichfür den Bruch seines Versprechens damit trösten, einemKetzer brauche man nicht Wort zu halten. Nach langer,harter Gefangenschaft sollte Hus vor dem Konzil seineMeinungen widerrufen. Als er sich weigerte, seine Über-zeugung zu verleugnen, wurde er als Ketzer zum Todeverurteilt, seines Priestergewandes beraubt und, mit derpapierenen Ketzermütze auf dem Haupte, zum Scheiter-haufen geführt. Standhaft erlitt der Märtyrer den quäl- 1415vollen Tod. Seine Anhänger in Böhmen aber, die so-genannten H u s s i t e n, nahmen furchtbare Rache. Sieerschlugen Priester und Mönche und wollten von Sig-mund nichts mehr als ihrem Könige wissen. Umsonstsetzte der Kaiser große Heere gegen sie in Bewegung,umsonst ließ der Papst gegen sie das Kreuz predigen.Unter kriegstüchtigen Führern schlugen sie alle Angriffeab mul setzten jahrzehntelang ganz Deutschland durchihre Verheerungszüge in Schrecken. Erst als sie untersich selbst uneinig wurden, konnte Sigmund wieder inPrag einziehen.
5. Das Konzil zu Basel (1431—1449). — Nochwährend der Hussitenkriege trat wieder ein Konzil inBasel zusammen. Die neue Versammlung ging den Miß-