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brauchen entschlossener zu Leibe, als diejenige zu Kon-stanz. Einen Papst, der ihr entgegenarbeitete, erklärtesie sogar für abgesetzt. Aber das Basler Konzil hattenicht die Kraft, seinen Beschlüssen Geltung zu verschaf-fen, da der Papst durch sein feines Ränkespiel den KaiserFriedrich III. und die meisten Fürsten auf seine Seitebrachte. So mußte auch diese Versammlung zuletzt un-verrichteter Dinge auseinandergehen. Es war offenbar,daß von den Konzilien keine Heilung der kirchlichenSchäden zu erwarten stand. Die Mißbräuche wurzeltensich immer fester ein, und in Rom erlangten mitunterMänner die päpstliche Würde, die gleich Johann XXIII.an Schandtaten und Verbrechen den schlimmsten römi-schen Kaisern des Altertums ebenbürtig waren.
§ 33. Frankreich und England.
1. W i 1 b e 1 m d e r E r o bere r (l()(i(i). — Wenn mandie Schicksale der Völker überblickt, hat es manchmalden Anschein, als ob Zwietracht und Kampf ihr ewigesLos sei. So lagen auch die zwei großen Staaten, die sichim Lauf des Mittelalters im Westen Europas gebildethatten, Frankreich und England, fast immer miteinanderim Kriege. Das Königreich England war von den ger-manischen Angelsachsen, die sich in der Völker-wanderung auf der britischen Insel niedergelassen unddaselbst das Christentum angenommen hatten, gegründetworden. Aber im 11. Jahrhundert wurde es von einemfranzösischen Fürsten erobert, und zwar'in einer Weise,die einer völligen Umwälzung gleichkam. Als ein angel-sächsischer König kinderlos starb, behauptete der ehr-geizige Herzog Wilhelm von der Normandie, An-sprüche auf die englische Krone zu haben. Da die Agel-saclisen sich darum nicht kümmerten und einen tapfernGrafen, namens Harald, zu ihrem König erhoben, be-schloß Wilhelm, das Eiland mit Gewalt zu erobern. DerPapst, dem die Angelsachsen nicht unterwürfig genug