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Allgemeine Geschichte für Sekundar-, Real- und Mittelschulen / Wilhelm Oechsli
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185
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waren, gab dazu den Segen, indem er dem Normannen-herzog ein geweihtes Banner überschickte. Mit einemgroßen Heere, zu dem Abenteurer aus ganz Frankreichströmten, setzte der Normanne auf 700 Schiffen über denKanal und landete an der englischen Küste, ohne daß tonndie Angelsachsen es zu hindern vermochten. Harald zogmit seinem Heere herbei, und in der Nähe von Hastingskam es zur Schlacht. Vom Morgen bis zum Abend dauerteder Kampf. Tapfer hielten die Angelsachsen stand, bisHarald von einem Pfeilschuß tödlich verwundet uieder-sank. Jetzt lösten sich ihre Reihen auf und der Normannegewann den Heiß bestrittenen Sieg. Das ganze Land wurdezur Unterwerfung gezwungen. Unzählige Angelsachsentrieb der harte Eroberer von Haus und Hof und gab dieso gewonnenen Güter seinen Kriegern zu Lehen. Die fran-zösischen Eindringlinge bildeten fortan den englischenAdel, und das Französische war lange Zeit die Sprachedes Hofes und der Vornehmen. Erst nach Jahrhundertenwuchsen Eroberer und Eroberte zu einem Volk zusam-men, den heutigen Engländern, und bildete sich aus demAngelsächsischen und Französischen .jene Mischsprache,die wir heute als Englisch kennen.

2. Die Jungfrau von Orleans (14291431).Einige Jahrhunderte später drohte der umgekehrte Falleinzutreten, die Eroberung F rankreichs durch dieEngländer. Als 1328 die gerade Linie der Capetinger er- l.-jo*losch, erhob ein englischer König Ansprüche auf denfranzösischen Thron, und es entspann sich daraus einKrieg, der fast ohne Unterbrechung über ein Jahrhundertdauerte. Durch eine neue Kampfweise brachten die Eng-länder den Franzosen wiederholt furchtbare Niederlagenbei. Ihre Hauptstärke bestand nämlich weniger in Rit-tern, wie dies bei den Franzosen der Fall war, als in Fuß-soldaten, die, mit gewaltigen, stählernen Bogen bewaffnet,meterlange Pfeile versandten, denen keine Rüstungwiderstand. Schließlich wurde fast ganz Frankreich vonden Engländern erobert; sogar Paris geriet in ihre Hände.