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nach Reims, wo er in ihrem Beisein gekrönt wurde. Glän-zend strahlte der Ruhm Johannas, die vollbracht hatte,was kein Heerführer für möglich gehalten hätte. Aberunter den Höflingen des Königs regten sich Neid undEifersucht gegen die Jungfrau, ihre Räte wurden vonKarl VII. immer weniger gehört, und auch das Glück ver-ließ sie. Als sie einer Festung in Nordfrankreich Rettungbringen wollte, wurde sie bei einem Ausfall gefangen, undder König, der ihr alles verdankte, rührte keine Hand,um sie zu befreien. Die Wut der Engländer gegen dieUnglückliche kannte keine Grenzen. Nach langer Kerker-haft und schmählichen Mißhandlungen ließen sie Johannadurch ein geistliches Gericht, an dessen Spitze ein fran-zösischer Bischof stand, als Hexe und Ketzerin zumFeuertode verurteilen und auf dem Marktplatz zu Rouenlebendig verbrennen. So starb das heldenmütige, schuld- 1431lose Mädchen als Märtyrerin ihrer Vaterlandsliebe. Dochdauerte der Umschwung, zu dem sie den Anstoß gegebenhatte, fort, so daß binnen zwei Jahrzehnten ganz Frank-reich von den Engländern befreit war und mächtiger da-stand, als je.
§ 34. Der Islam und das Christentum.
1. Eroberung Konstantinopels durch dieTürken (1453). — Während die christlichen Nationensich in blutigem Hader zerfleischten, drangen a t oii Ostenher die Mohammedaner in Europa ein. Eine streitbaretürkische Horde, die sich nach dem Gründer ihres Rei-ches, dem Sultan Osman, die Osmanen nannte, setzteim 14. Jahrhundert von Kleinasien aus über die Meer-enge und eroberte nach und nach die Balkanhalbinsel.
Dem oströmischen oder griechischen Kaiser blieb nichtsals Konstantin opel samt der nächsten Umgebung.
Im Jahre 1453 beschloß der Sultan Mohammed II., demScheinleben dieses Kaiserreiches ein Ende zu bereiten.
Mit gewaltigen Heeresmassen umschloß er Konstanti-
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